Der zweite Mann, der das Geheimnis kannte, aber gelächelt hätte, wenn dieses Wort an sein Ohr gedrungen wäre, bedarf einer Minute Pause, um ihn einzuführen, weil die Literatur seinen Namen mit jenem Pomp behängt hat, den armselige Skribenten anwenden, wenn ihnen ein Begriff die Mühe ersetzen soll, einen Menschen darzustellen, dessen Schilderung sie nicht gewachsen sind. Eine gute Literatur tut gut daran, einen Menschen so zu bringen, daß man seine Stellung nicht kennt, denn die unbegabten Schriftsteller haben um gewisse Sachen einen Lärm gemacht, daß die Leser unter dem Namen schon Vorstellungen empfangen, die die erlesenste Schilderung nicht mehr beseitigen kann. Diese schlechten Zauberkünstler haben es fertig gebracht, daß ein Feldherr etwas Vollendetes erscheint und unmöglich pucklig und feig geglaubt wird, daß ein Flieger schlank und kühl sich vorgestellt wird, während das in der Regel neurasthenische Affen sind, daß man eine französische Frau kokett und eine englische langweilig findet, während die einen nur natürlich, die anderen höchst amüsant sind. Diese Schriftsteller haben es in hunderten von Fällen fertig gebracht, daß man sich entschuldigen muß, eine Illusion zu zerstören, die im Grunde nichts wie eine Bequemlichkeit unfähiger Leute war.
Die Kunst des Schreibens besteht in vielem darin, daß, wenn etwa von einer Wendeltreppe die Rede ist, der Leser nicht begeistert mit dem Zeigefinger eine Spirale in die Luft haut, sondern sprachlos vernimmt und glaubt, daß sie viereckig ist. In der Tat ist schon bei den Ägyptern eine Wendeltreppe stets ein im Grunde quadratischer Aufbau gewesen, und die Römer sind ihnen darin ebenso gefolgt wie die Früh-Germanen und Juden.
Diese Person ohne Zweifel, die der Anlaß einer immer schneller dem Ende sich nähernden Geschichte ist, ist von berückender Schlichtheit. Sie hatte das Unglück, eine Kette, die nicht den geringsten Wert besitzt, da sie keiner der bekannten Edel- oder Halbedelstein-Arten zugehört, zu zerreißen. Diese Person hatte Gründe, die nicht verheimlicht werden sollten, diese Kette in Europa reparieren zu lassen.
Diese Zusammenhänge sind von kläglicher Einfältigkeit. Würde ich Sie fragen, wie Sie sich den chinesischen Kaiser vorstellten, würden Sie ihn dick und würdevoll, offenbar mit der Unbequemlichkeit einer Krone, eines Szepters und eines Baldachins vorstellen und damit eine beklagenswerte Dummheit der Zivilisation vollziehen. Das in der Tat Wunderbare ereignet sich allerdings sekündlich in aller Öffentlichkeit dieses mechanisierten Zeitalters, ohne beachtet zu werden. Man hat sich jedoch, wahrscheinlich als Entschuldigung für soviel Blindheit einige phantastische Vorstellungen aufgebahrt, an denen nicht gerüttelt wird. Man begeht in fröhlicher Laune die Vergewaltigung, Menschen und Vorgänge, die unter den wirtschaftlichen Gesetzen der modernen Zeit stehen wie wir auch, zu geheimnisvollen, fast göttlicher Einwirkung fähigen Sachen zurechtzudenken.
Diese Kritik an der Zeit wäre im Munde eines Räsoneurs in der Tat voll großer Möglichkeiten. Diese Geschichte ist nicht im Stile Diderots geschrieben, sondern in einem verbrecherisch stoßenden Wagen erzählt und handelt von Halunken, deren Tempo und Technik auch die Erzählung anzunehmen hat. Dieser junge, elegante Mann also, dessen Stirn ein großes Nachdenken gefaltet, eine noch tiefere Weisheit aber wieder geglättet hat, der in dieser Nacht im Auto ankam und am Morgen auf dem Meer den „Leviathan,“ auf der anderen Seite des Hügels einen Garten mit Springbrunnen, kleinen Kindern und Pelikanen beobachtete, wäre ohne Zweifel zusammengestürzt unter der Welle von Reflexionen, zu denen selbst Schiller und Moliere ihren Teil gegeben haben, wenn er unter jenem Titel vorgeführt worden wäre, dessen Machtvorstellungen ihn einfach zertrümmert hätten.
Dieser junge Mann, den jene Wolke nebst seinem Haus den Blicken Jonny Rumfords und seiner Kameraden entzog, war in der peinlichen Lage, vor einer der Legenden zu fliehen, die die Stütze eines Staates und der Dynastie, aber den Beteiligten ein Stachelbett der Unbequemlichkeiten sind. Er versuchte sich eines Wunders zu entledigen, dessen Tatsache die Leute so verrückt zu machen schien, daß sie es in der Tat erlebten. Jene zerrissene Kette, die unter Pounds Kontrolle auf dem Meer schwamm, sollte eine Kraft haben, die einer vertausendfachten Leidenschaft glich, das heißt, wer sie sah, ward von der Begierde angefallen, sie zu besitzen.
Diese Albernheit, die einer Anzahl Menschen, welche die Tradition lieben, zum Verhängnis und Tod gedieh, veranlaßte den klügeren Besitzer, sie aus dem Lande zu bringen, bis er den Gerüchten der Masse das Gerücht entgegensetzen konnte, sie sei in der Tat wieder vollendet zurückgekehrt. Man mußte sich einer Legende bedienen um eine Legende zu parieren ebenso, wie Achilleus sich in ein Löwenfell wickeln ließ, um einen Löwen zu erwürgen. Es ist bezeichnend für die Dummheit der Menschen, daß selbst Leute von der überlegenen Klugheit Europas, die dieses Metier der gutwilligen Fälschung in Kriegen und Revolutionen brillant verstanden, auf den Leim eines Wunders gingen, von dem der Urheber sich halb ärgerlich gerade befreit, der Urheber, den man als Kaiser vorzustellen freilich ohne diese Vorbereitung nicht den Mut besitzen konnte. In diesem Sinne waren selbst jene Menschen, die ihr Leben einsetzten um dieser banalen Sache willen, vollkommen Betrogene, aber es ist zu ihrer Erläuterung zu sagen, daß die Ziele eines Herzens in dieser Welt nicht wichtig sind, die Erlebnisse des Herzens aber ungeheuer gewogen werden.
Bald darauf, vor Genua, kam Lady Grace an Bord. Das Telegramm des Foreign Office hätte ihr die gepflegteste Aufmerksamkeit gesichert, wenn man sie ihr nicht von selbst gewidmet hätte. „Gehen Sie,“ sagte sie, als sie das Schiff betrat, zu Sir Davis, der ihren schwarzen Shawl auf dem Arm hatte „und erzählen Sie mir beim Lunch, was Sie mir bieten wollen auf diesem Floß, auf das Sie mich geschleppt haben.“
„Sie ist sechsundzwanzig,“ sagte Sir Davis zu dem Kapitän, der von ihrem Lächeln nicht rasch genug entzückt war, „aber sie besitzt die Linie von achtzehn und den Verstand von fünfunddreißig, wo er gerade groß genug ist, auch vom Genuß noch ein paar Jahre etwas zu haben.“
„Wir,“ sagte der Kapitän, der jenen amerikanischen Typ Männlichkeit verkörperte, der halb weibisch, halb mulattisch wirkt, und steckte die Hände in die Manschetten, „wir, die zehn Monate des Jahres unter Männern und auf dem Wasser sind, haben, wie mir scheint, die gleichen Ideen wie die Herren vom Land.“