Dieser Mann war aus dem Holz der Leute, die früher in ihre Fahne gewickelt ins Meer gesenkt wurden, welche von ihren Königen mißbraucht wurden und für die Verführer ihrer Frauen starben und die jene Dummheit der Treue besaßen, mit der die Thermopylenkämpfer starben und welche die bewundernswerteste Größe eines menschlichen Herzens ist. Für Charaktere seiner Art bedarf es Zeiten, die entweder selbst Größe besitzen oder zum mindesten nicht von jenem Geist verseucht sind, der eine Nation gescheit, aber charakterlos macht. Diese Treue und ein vortrefflich geschultes Hirn gehen nicht zusammen, weil die Erde sonst vollkommen genannt werden müßte, was sie nicht sein darf, da sie dann als glühende Gotteslästerung durch die Sphären jagen würde. Capt. Pound war überzeugt, daß George Good der Frau zuliebe, die dieser wiederum für des Capt. Geliebte hielt, das Gesetz des Clubs verrate und das machte ihn besinnungslos vor Rachgier. Auf diese Weise hatten die Gegner nichts voneinander voraus.

Ihre Leidenschaften hatten sich verschoben und damit verschärft, ja sie hatten sich zu einer Ungeheuerlichkeit entwickelt, die sie nicht mehr aufeinander jagen ließ, sondern sie zusammenpreßte auf den engsten Raum, der ihnen möglich war. Sie suchten gegenseitig ihre Gegenwart, die sie nicht mehr entbehren konnten. Das Rätsel der Kette schien für alle außer Lady Grace völlig in den Hintergrund getreten. Gewöhnlich ist jede Leidenschaft trügerisch, weil das unbekannte Gesetz, das sie beherrscht, jeden Augenblick den Sinn zu wechseln vermag. Über den Verbleib der Kette konnte es indessen nur einen Anhalt geben. Jener geheimnisvolle Unbekannte, der die Geschicke dieser Menschen zu leiten schien, war allein in der Lage, an den Färbungen seiner Uhr es abzulesen.

Lady Grace kam dem Zustand der Annäherung entgegen. Es war soweit, daß ein Zusammentreffen für alle am erfolgreichsten schien. Sie lockte die Tiere ins Haus, von denen sie hören mußte, daß sie es umschlichen. „Sir Davis,“ sagte sie und richtete einen tiefblauen Blick auf ihn, daß er nervös zu zittern anfing, „Sie erinnern sich des Mannes, mit dem Sie in Lissabon auf dem Tajoball beim Kasino über mich plauderten. Gehen Sie in das Doelenhotel. Ist er da nicht, finden Sie ihn im Flora-Varieté. Sie werden ihn finden.“

Davis fühlte die Notwendigkeit unter diesem Blick wie unter denen einer Armee sich zu halten. „Ihre sechsundzwanzig Jahre verlangen, daß ich, ehe Sie ihn sehen, ihn zur Rechenschaft ziehe. Er hat Sie beleidigt, auch wenn er eine Maske trug.“

Grace lachte und Ritch lachte mit ihr. Die Vorstellung, daß Davis fechte, war weniger komisch als die Grenadierpose, die dieser knieschwache Lebemann angenommen hatte. Da er gutmütig war, lachte er mit ihnen.

„Auf,“ sagte Grace dann, indem sie die Stirn wieder ohne Bewegung hielt, „gehen Sie und vergessen Sie Ihre Ehre. Nicht alle Leute haben darin ein so langes Gedächtnis wie Sie.“ Im Amstelroom kamen sie nach dem Theater zum Speisen. Vollkommener als Davis hätte niemand diese Zusammenkunft arrangieren können. Sie war vollendet in ihrer Zufälligkeit und brillant durch die Liebenswürdigkeit, mit der man sich voneinander versteckte.

Als Good zum Tee bei Lady Grace erschien, wurde er durch einen offenbaren Zufall in ein falsches Appartement geführt, der Sessel, in dem er Platz genommen hatte, fiel nach hinten und schraubte ihn an Händen und Füßen fest. Offenbar wurde er hinterher betäubt und untersucht. Als er zu sich kam, blickte er in das Gesicht von Ritch, das ohne Ausdruck war. Er befand sich in einem anderen Zimmer. Kurz darauf erschien Grace. Er konnte sein Mißtrauen kaum hinter seiner Gewandtheit verbergen. Die Stirn dieser Frau war ohne Trübung. Sie war von einer Höflichkeit und einer Würde, die ihn bezauberten, je stärker er hinter ihnen die Einfalt eines ausgezeichneten Herzens entdeckte. Diese keusche Frau, deren Formen unnahbar waren, hätte keinen Gedanken fassen können, der nicht vollkommen war.

Als er ihre Hand zum Abschied faßte, verlor er zum erstenmal die Besinnung. Er stürzte auf seinen Stuhl zurück. Ein unerhörtes Zittern überfiel ihn, bis er die Augen fest gegen die von Grace richtete, die so hell waren wie der Himmel. Dieser aufs wildeste erschütterte Mann hatte ihre Hand am Druck erkannt. Es gibt keine narkotische Betäubung, hinter der nicht die Leidenschaft des Mannes heraus Wege in das Leben findet. Die Hände, die ihn narkotisiert hatten, waren von einer Süßigkeit und Unerbittlichkeit, daß sie ihn besinnungslos machten, als er sie im Leben umfaßte. Dieser Spieler war zum zweitenmal besinnungslos, aber von einer Wollust, die ihn bis zur Raserei durchstürmte. Es wäre ihm früher unmöglich gewesen, eine Frau sich vorzustellen, die einen Engel Philippo Lippis mit der Gestalt der Judith vereinigte. Von diesem Augenblick an war er ihr ebenso verfallen, wie sie ihn verachtete.

Die Unerbitterlichkeit dieses Mädchens für ihren Spleen war viel härter als die der Männer. In den folgenden Wochen, die den Inhalt eines Detektivjournals füllen könnten und von beispielloser Grausamkeit der Ideengänge erfüllt waren, aber langweilen würden, weil sie die Charaktere nicht deutlicher, aber ihre Taktik auch nicht klarer machen könnten, ließ sie ein Instrument bauen, das beweist, daß das Mädchen wahnsinnig oder vollkommen verändert war. Sie ließ es in ein Landhaus bringen, das Davis gemietet hatte, und welches ein großer Garten umschloß. Es lag weit genug ab von einer Straße, um isoliert zu sein, ohne aus den Parkavenuen herauszufallen. Die Räume, die Capt. Pound und Good bewohnten, hatte sie mittlerweile verschiedentlich untersuchen lassen. Sie hatte eine kleine Armee von Verbrechern im Dienst, die teilweise für sie rekognoszierten oder sie schützten. Es war fast ein Sport, bei sich einbrechen zu lassen, um den anderen eine Falle zu stellen.

In der Tat hatte Grace versucht, Good nicht mehr zu sehen, sie konnte ihn jedoch nicht vermeiden. An diesem Gletscher von einer Frau geriet der Junge in eine Glut, die ihn wie einen Verrückten herumrennen ließ. Er schien an manchen Tagen geistesabwesend, wenn er nicht gemurmelt hätte wie ein Shakespearischer Narr. Dies waren Beweisstücke für Capt. Pound, daß George Good ein Verräter war. Was ihn veranlaßte, der jungen Engländerin in die Falle zu gehen, war, daß Good plötzlich völlig verschwand. Es war Pound unmöglich, ein Lebenszeichen von ihm zu erhalten.