Das hing damit zusammen, daß George Good an einer Melancholie erkrankt war, die das äußere Zeichen eines furchtbaren Kampfes ist. Er begann zertrümmert zu werden unter der Neigung zu Grace, der sich seine Männlichkeit entgegenstellte, die sich an die Gesetze des Clubs klammerte, welche ihm allerdings einfältig erscheinen mußten, wo er wirklich liebte.

Er war dieser Frau so verfallen, daß er förmlich unter dieser Neigung zerfiel. „Darf ich Sie,“ sagte Sir Davis bei Tisch zu ihm, „junger Mann darauf aufmerksam machen, daß man das Äußere an den Austern in England entfernt.“ Good starrte den nackten Vogelschädel so geistesabwesend an, daß alle lachten. Good, der nichts verstanden hatte, faßte sich und sagte mit bewundernswertem Instinkt: „Well Sir. Doch sagte man, der Kondor lasse sie auf die Felsen fallen, um sie nur öffnen zu können,“ und warf einen eisernen Blick auf Grace, die bei dem Wort Kondor lächelte.

Hier vermochte Sir Davis ein Lächeln nicht zu verbergen: „Dies,“ sagte er und senkte den trockenen Diplomatenkopf, „ist in der Tat wahr. Zehntausend Dollars dem Kater, der das gleiche vermöchte.“ Bei dieser Antwort wurde Good fahl und fiel vom Stuhl. Den Armen hätte seine Leidenschaft fast zum zweitenmal getötet.

Der Satz des alten Roués war eine Rohheit, die selbst seine gedrechselte Sprache nicht verbarg. Er spielte darauf an, daß man Good in letzter Zeit den Garten hatte abends umschleichen sehen. Selbst einem Blinden wäre aufgefallen, daß der Anlaß keineswegs ein krimineller war. „Sie werden ein Ständchen erhalten.“ „Werfen Sie Baldrian in den Nebengarten,“ hatte Grace gesagt. George Good war bei dem Satz, den er am Fenster vernommen, seinerzeit zusammengezuckt.

Als er nun eine Anspielung hörte, war er unter der Erkenntnis der Hoffnungslosigkeit seiner Bemühungen zusammengestürzt.

Er lag seit einigen Tagen nun in einem apathischen Zustand in einem Parterrezimmer von Graces Landhaus. Sie war so davon überzeugt, daß er die Kette nicht besaß, daß sie diese Gunst des Zufalls nicht einmal ausnutzte, bei ihm nachsuchen zu lassen. Zu ihrem Glück gelang es ihr, dadurch den Capt. auf ihre Spur zu bringen. Er sah ihr Gesicht zuerst im Spiegel eines Ladens an dem er stand, sprang in einen Wagen und folgte ihrem Auto in einer Versessenheit, die er nicht mehr bändigen konnte. Er nahm an, daß sie Good bei Seite geschafft habe und hatte die Kraft, den Toten noch zu hassen, was ihn nicht hinderte, ihn rächen zu wollen. Die Überlegungen der Redlichen sind von bezwingender Heiterkeit, wenn die verschiedenen Ergebnisse einer konsequenten Treue sich zu komplizieren beginnen und beweisen, daß die höchste Treue nicht ein Gesetz, sondern das mit allen Gesetzen harmonierende Gefühl ist. Mit welcher Schönheit ist Treue verklärt, wenn sie die Anmut eines reinen Herzens krönt. Den Fahnenträger eines Räuberhaufens der Treue vermag man höchstens zu schätzen, weil er unerbittlich ist, aber zu einfältig, um über der Anhänglichkeit auch den Sinn der Moral zu erkennen, für die er sich hergibt.

Als er mit seinem Wagen einfuhr in den Park, entschlossen, ans Äußerste zu gehen, erlag er dem Paroxysmus seines Blutes. Ein Diener wie aus Marmor, einer jener Domestiken, die aus den Zeiten Sullas und Vespasians stammen, die nie sprechen, sondern vor der Schaurigkeit des, was sie sehen müssen, Eisberge der Kühlheit geworden sind, wies ihn mit einer stummen Gebärde auf eine Tür. Gleichzeitig meldete er mit einer Stimme, die vor Entwöhnung von der Hohlheit eines Grabes geworden war: „Lady G. P. erwartet Sie zum Lunch.“ Ehe Capt. Pound sich fassen konnte, sah er ein Ruhezimmer um sich, auf dem in der soigniertesten Weise ein Abendanzug aufgelegt war. Es fehlte keine Kleinigkeit, sogar die Seidenstrümpfe gingen über das Knie. Diesem wilden Scherz ergab sich selbst der Held von Cuba.

Er fühlte eine Falle, aber die Unverfrorenheit reizte ihn so, daß er seine Brutalität zurückschob. „Hallo,“ murmelte er, als er bemerkte, daß das Abendjackett keine Taschen hatte, „Windstärke zehn, Capt. Pound.“ Er pfiff vor sich hin, als ein Page mit einem Gong den Korridor entlang lief. Er folgte ihm, kam durch eine Menge Zimmer und wartete an einer Tapisserie. Plötzlich machte er einen Sprung und lief denselben Weg zurück, lief, als wolle er sein Leben retten. Durch eine Unvorsichtigkeit des Chasseurs, der die Tür hinter ihm schließen sollte, geriet Ritch in eine Falle. Er überraschte sie beim Untersuchen seiner Taschen, warf sie, obwohl sie ein Weib war, an die Wand. Sie hatte nichts gefunden, aber der Capt. brüllte nun vor Wut. Wie der Stier, in dem allerdings ein Gott saß, der Europa entführte, jagte er die Mestizin durch den Garten und eine Terrasse herauf. In diesem Zimmer hatte Grace die Absicht, ihm entgegenzutreten, der Stier warf ihr Programm über den Haufen. Sie zeigte, daß sie auch dem gewachsen war.

Der Auftritt sollte lange dauern und kürzte sich teuflisch ab. „Geben Sie Good heraus,“ schrie der Capt., als er sie sah und versuchte, nach seiner Pistole zu greifen, fand aber keine Tasche, was ihn förmlich berauschte vor Zorn. Grace gab ihm einen fragenden Blick, der ihn vereiste. Dieser Blick wechselte, er war bald dunkel wie Samt, bald so weißblau wie das Meer unter einem Gewitter. Dieses Auge hatte in beiden Ausdrücken die Entschlossenheit eines Tigers.

„Ich will es tun,“ sagte sie mit der möglichsten Einfachheit. „Geben Sie dafür die Kette.“