Dies warf Pound in sich selbst herum, er war vor Erstaunen sprachlos. Das Oranggesicht über der athletischen Schulter war einfach geistlos, selbst die Wildheit kennt einen Moment der Bestürzung, wo das Böse sich vor der Dummheit kuscht.
Dann blitzte ein Plan in ihm auf, der das Verrückteste war, denn er hatte die Kette holen wollen und nach Good gefragt. Nunmehr drängte ihn seine Verblüfftheit in ein primitives Rachegefühl: er versuchte, sich dieser Frau zu bemächtigen. In diesem Augenblick erschrak er bis auf den Rand der Lippen. Dieselbe Frau, die vor ihm stand, stand auch auf der anderen Seite des Zimmers. Er fuhr sich mit der Hand über die Stirn, lief auf die eine zu, hielt ein, wandte sich nach der anderen. Auf diese Weise waren beide verschwunden, als er sich erholt hatte.
„Jonny Rumford,“ sagte er, als er die Terrasse herunterging, „ich müßte jetzt drei Beine haben, wenn wir die gleichen Gespenster wären wie diese da. Eins unter jedem Arm.“ Er tobte vor Zorn mit seinem Holzbein auf den Stufen. Als er verschwunden war, ließ Sir Davis Wolfsteller im Garten legen und engagierte ein Dutzend neue Leute. Dieser Bursche war ihm auf die Nerven gefallen. Er zuckte zusammen, wenn er an das Geräusch des Stelzbeins dachte, das einem Engländer, auch wenn er ein Franzose sein will, entsetzlich ist.
Auf Good hatte der Auftritt eine merkwürdige Wirkung. Er stand auf. Das Gesicht dieses Mannes war völlig verändert. Es war heiter wie der Mond, obwohl es härter geworden war. Der junge Mann hatte einiges verloren und anderes gewonnen, wie dies bei Leuten unter Dreißig häufig ist, wenn ihre Seele sich unter Entschlüssen ändert. Er war weniger hübsch und langweiliger geworden. Dagegen waren seine Augen im Ausdruck besser. Im Ganzen schien er verloren zu haben. Es ist seltsam, daß junge Männer einfältiger wirken, wenn sie besser werden. Bei Frauen ist dies unmöglich, sie beginnen unter diesen Entschlüssen mit jenem Licht zu strahlen, das ihre erste Schönheit ist.
Der junge Mann hatte sich entschlossen, Grace die Kette zu bringen. Die Liebe hatte ihn überwältigt zu einer Handlung, die die erste leidenschaftliche seines Lebens war, aber sein Leben abschließen mußte. Dieser Gedanke, daß man ihn töten würde und daß er mit dieser Möglichkeit immer gerechnet hatte, sie jetzt aber erst begriff, machte ihn voll einer schmerzlichen Melancholie, die ihn wohl schön erscheinen ließ, aber mit einer Schönheit, die, anders als sein Geckentum, ihn von innen heraus erhellte.
Der junge Mann, der lieben gelernt hatte, ohne daß er wieder geliebt ward, empfand einen tödlichen Schmerz, als er nach seiner Wohnung schritt. Er wußte, daß nun alles vorbei war, aber er vermochte nicht anders zu handeln. Die Blätter fielen um ihn nieder von den Bäumen, er hätte weinen können, obwohl er seit Jahren den Tod herausgefordert hatte. In einer stillen Straße fühlte er die Tränen. Das machte ihn fassungslos, gab ihm aber eine Sicherheit des Schmerzes, die ihm die Welt verdunkelte.
Dieser süße Druck in seiner Brust war von sehr großer Kraft: Wenn er an Grace dachte, empfand er jene Begeisterung, die bei wirklich erhabenen Seelen auch den Tod verachtet, ja die um dieser Glut zuliebe den Tod als höchste Erhabenheit herbeisehnt.
Dies hatte bei aller augenblicklichen Täppigkeit ihm einen Ausdruck gegeben, der Grace neugierig gemacht hatte, sie war ihm durch eine Parktür in einem Umhang Ritchs gefolgt und so den Spionen Pounds entgangen. Dieser ließ, nur von dem Gedanken der Rache getrieben, das Haus umstellen. Er nahm keine Rücksichten mehr, weil das Bewußtsein des Geldes ihn vor jeder Torheit schützte. Man vermochte sich auch damals nicht zu denken, wenn man ein Einkommen von ein paar hunderttausend Dollars besaß, daß es Gesetze geben könne, die töten. Er kam mit zwei riesigen Autos an, stürmte das umzingelte Haus, durchsuchte es nach Good, den er nicht fand und stellte Ritch, die seine Faust bereits kennengelernt hatte. Er faßte sie, wie man Hasen anfaßt, und hob sie in die Höhe.
„Wo ist die Lady?“ herrschte er sie an. Ein teuflischer Blick der Negerin traf ihn. „Schonen Sie sie, wenn Sie ein Gentleman sind,“ schrie sie und schlang, während sie die Portiere aufriß, einen großen schwarzen Shawl um ihre Gebieterin. „Marsch,“ schrie Capt. Pound, und da die völlig zusammengebrochene Frau ihn irgendwo verwirrte, stampfte er mit dem Holzfuß wie ein Verrückter auf den Boden. Sein eleganter Athletenkörper mit dem verwüsteten Gesicht sah aus wie ein Teufel, den einer der jungen Maler dieser Zeit geschildert hat, die von der Natur verflucht waren, die Dinge in höllischen Verzerrungen zu sehen. Er hielt die Pistole immer wieder zur Seite nach rückwärts und beobachtete beide mit einem flackernden Auge.
„Marsch,“ schrie er heiser „in den Wagen,“ und er stampfte vor, weil er sich fürchtete, entweder zusammenzubrechen oder schießen zu müssen. Er war völlig verstört und nur von dem Gedanken wie von einer Biene, die sein Hirn durchsummte und deren monotoner Ton ihn verrückt machte, gefüllt, diese Frau in die Hand zu bekommen. Die Javanerin warf ihm einen verschleierten Blick zu, als sie mit ihrer Lady einstieg. Die Wagen waren geschlossen, Grace war wie eine Betrunkene getaumelt. Der Capt. beobachtete sie mit funkelnden Augen. Grace saß mit der Starrheit des Todes und schenkte ihm keinen Blick. Sie schien bei jedem Sprung des Wagens zusammenfallen.