Beautrix errötete und wandte den Kopf, als der Zug vorbeischoß.
Da wußte Jehan, daß er einen guten Kauf getan. Er schnallte seine Bügel hoher und hob sie herüber vor sich auf die Knie, jagte ihr Maultier mit Gelächter, lachte, küßte sie und rannte mit ihr durch den Wald. Die Hunde jagten vor ihm.
Er dachte nicht an die Aussätzigen. Denn er fühlte, wie die Glieder von Beautrix heiß wurden. Noch einmal küßte er sie. Da war es schon dämmerig geworden. Der Hühnerhund sprang vor ihnen hin wie ein weißer Strich.
Der Wald lag dann hinter ihnen in einem dunklen Bogen gleich einer Augenbraue. Dumpf rauschend wie zwei Fledermausflügel zogen sich die Tore von Arras im Abend hinter ihnen zusammen.
Jehan Bodel empfand das eben in dieser Weise und sagte es so zu Beautrix. Denn Jehan Bodel war (ohne daß er die kleine und falsche Schäbigkeit beging, es in seinem Leben auszudrücken und ohne daß es aus seinem Tun bewußt nur in einem Funken erhellte) der größte Dichter der Pikardie.
Er stieg an seinem Hause ab, legte ihre Kniekehlen auf seinen linken Arm, und indem er sie mit dem andern an der Schulter stützte, trug er sie in ein großes getäfeltes Zimmer, in dem ein ungeheures Bett stand, und sagte ihr, daß dies ihr Eigentum sei.
Dann wechselte er seine Kleider und ging zu einer Dame im Westen der Stadt, der er dort ein Haus unterhielt. Die Dienerin sagte ihm, die Dame sei in der Kirche, und er kam gerade recht, als sie die Abendmesse verließ. Er nahm sie und ein paar Weiber, die mit ihr waren, mit in eine trübe Schenke in der Ecke des Platzes.
Ein dumpfes Licht schwelte in dem Zimmer, das sie allein hatten. Holzpritschen mit Teppichen belegt umliefen die Wand und schlossen einen Kreis um den Tisch, der rund in der Mitte stand. Der Boden war mit leuchtend gelben und weißen Platten belegt. Es roch nach Wein und Rosen. Jehan ließ gemischten Wein kommen und nahm seine Dame neben sich. Eine Stunde später kamen noch einige Männer. Die Weiber lagen auf den Bänken und sangen.
Zwei wiederholten larmoyant ihre Beichten. Eine Rote erzählte, die Zähne fletschend, was ihr ein Minoritenprior gestern vorgeschlagen: sie möge die Haare kürzer schneiden und als Mönch bei ihrem Orden eintreten. Und ob sie sich dann auch die Haare blond färben und den Namen „Innozenz“ annehmen würde, fragte ein junger Mann . . . worauf sie beleidigt tat und ihm ihr Glas zwischen die Busenkrause goß. Ihm aber dann sich auf die Knie warf und ihn reuig in den Ohrlappen biß.
Jehan ließ Gewürze in den Wein kochen. Sie tranken stark und lachten. Die Weiber schaukelten auf den Pritschen und lallten Gesänge und Lieder durcheinander.