Kam am Mittag nach Erigny, wo großer Markt war. Viele Auslagen färbten den Platz bunt, und ein erschütternder Tumult bewegte sich über die Straßen. Jehan stellte sich auf eine Tribüne mitten im Platz, und als Ruhe war und Kopf an Kopf gesät sich gegen ihn schoben, verhieß er, vor Ekel geschüttelt, jedem, der im Wald einen Aussätzigen erschlüge, zwanzig Denare.
Darauf kaufte er zwei Bracken, silbernes Sattelzeug, einen schneeweißen Hühnerhund und eine Stute, deren Schweif den Boden peitschte.
Er ließ alles an seinen Gasthof bringen, bestellte Spielleute und aß. Als er seinen Lieblingsfisch auseinanderlegte, schob sich ein Mönch durch die Tür und suchte zu Jehan zu kommen. Doch der Wirt spreizte die Arme und drückte ihn zurück. Jehan Bodel liebte allein zu speisen. Allein der Mönch bestand darauf und schwur lang und laut bei St. Vinzenz, bis Jehan aufmerksam ihn herbeiwinkte. Bis auf zwei Meter, denn er wünschte nicht, von seinem Atem belästigt zu werden. Der Mönch schlug ein Geschäft vor. Jehan aber machte eine so abweisende Geste, daß er zu winseln begann und schwur bei den runden Blutstropfen von St. Morant, Jehan werde nächtelang aus Reue seine Brust schlagen. Und wie er von dem gesättigten und zufriedeneren Mund des Gegenübers die herbe Strenge abfallen sah, stieß er hastig einen Schritt vor und sagte leis etwas.
Jehans Gesicht blieb kaum bewegt, des Mönchs Fratze bedeckte sich aber mit einer fetten Vertraulichkeit und sagte und schwor bei dem Leibe der heiligen Afflise, die Ware sei gut.
Jehan lachte ungläubig und edelmännisch und folgte ein wenig zurückgestoßen, mehr aber neugierig. Sie überquerten den Hof, schoben einen Strohhaufen zur Seite, gingen durch einen Stall . . . dann riß der Mönch eine verborgene Tür auf.
Ein kahles Zimmer tat sich auf, das nur ein schräg in die Mauer gerammtes Bett enthielt, auf dem ein Mädchen kauerte in südlicher Haltung, von vielleicht siebzehn Jahren, die sich nun zu einer adligen und beschämten Haltung erhob und eine rührend große Schönheit entfaltete. Der Mönch wollte ihr die Tunika abziehen, allein Jehan wies ihn zurück, verbeugte sich und fragte, wie sie heiße.
Sie sagte: „Beautrix“ und sagte es in limusinischem Dialekt, dessen dunkle Schwingung Jehans Ohr entzückte. Sie hatte eine so schmelzend weiße Haut, daß sie unmöglich aus der Provence sein konnte. Der Mönch sagte: Aus Byzanz.
Da kaufte Jehan sie ohne Prüfung um zweitausend Denare.
Er setzte sie auf ein Maultier und sie ritten zusammen aus der Stadt. Jehan sprach nichts zu einer Sklavin. Sie ritten schweigend, sie ein wenig hinter ihm. Plötzlich kam ihnen Gebrüll entgegen, schäumende Rufe spritzten durch die leere und helle Luft, in der vorher nur das Knirschen lag vom Huf der Tiere durch den mahlenden Sand.
An dem Kreuzweg raste eine nackte Prozession an ihnen vorüber, Männer, die Fahnen trugen, schmutzig bestaubt, Frauen und Kinder, einige mit Säuglingen an den strotzenden Brüsten, Greise, die ihre müden Glieder vorwärts schnellten, und alle die Munde voll Geheul. Manche hatten den Arm um die Weiber geschlungen und sich in sie verkrampft, Mädchen liefen mit gelösten Haaren und ließen sie vom Wind hinter sich aufbäumen, in die Männer wieder ihre Gesichter tauchten . . . und alle sausten singend und schreiend mit stampfenden Sprüngen vorbei.