[Der aussätzige Wald]

Benoit de St. More:
Ceste historie n’est pas usée

Jehan Bodel, Sire d’Arras ritt durch den Wald.

Er ritt ein gelbes Maultier und trug aus Verachtung keine Waffen außer dem kleinen damaskenischen Messer im Gürtel. Seine Arme hingen laß auf beiden Seiten des Sattels herunter.

Nach zwei Stunden pfiff es scharf.

Aus einem Gebüsch sauste ein Knäuel Menschen den Abhang herunter in die grelle Sonne. Einige hielten Keulen aus Holz in den Fäusten. Der vorderste tanzte geduckt, auf demselben Platz sich stetig hochschnellend. In seiner linken Hand drehte sich ein quirlendes Instrument aus Eisen, die andere, deren Finger aus dem Fleisch herausgekrochen waren und die am Knöchel zu einem dicken roten Schorf ward, krallte sich um ein altes rostiges Schwert. Alle waren von furchtbaren Fetzen schmutzigen Tuchs umhängt. Geschwülste und Narben fraßen sich durch die Gesichter der meisten. Langsam rollte etwas die Böschung auf allen Vieren ihnen nach herunter, hob sich mit langen weißen Haaren, stand ehrfürchtig zögernd, die Hände in Bewunderung und Tasten hebend und streckte zwei rote leere Augenhöhlen mitten in das stechende Licht.

Jehan Bodel griff nach seinem Messer. Es war zu klein. Sein Blick fuhr herum. Nichts war im Bereich seiner Hände. Er trat einen Schritt zurück und spie aus vor Wut.

Die Männer krochen wie Spinnen auf ihn zu. Ihr Anführer umtanzte ihn lautlos mit gierigen Sprüngen.

Da warf Jehan sein Maultier auf die Erde, hieb drei Kerbschnitte in den Oberschenkel, drehte das Bein aus dem Gelenk und erschlug ein paar der Angreifer, ging zurück, streichelte rasch das schreiende Tier über Maul und Hals, tötete es und schritt lässig, hochmütig den freien beschienenen Waldweg weiter.

Es bewegte ihn ein Gefühl: Zorn, daß er keine Zeit hatte, das Maultier zu töten, eh’ er es verwundete. Er dachte nicht daran, daß er auf ihm hätte fliehen können. Jehan floh nicht.