Las Casas suchte hier in der ungeheuersten Erhebung, in der durchbebtesten Ekstase seines Lebens den Gedanken an Juana zu töten. Eine wahnsinnige Freude durchschwang ihn. Er hatte den Dolch durch den Mund gezogen. Seine Hände hielten kalt und verkrampft das Steuer. Alle Kanonen entluden sich und schrien gegeneinander.
Ein junger Offizier vor ihm drehte sich um und brüllte etwas mit leuchtenden Augen zurück, was das Getöse verschluckte. Las Casas sah ihn an. Und als hätten die nicht gehörten Worte etwas gelockert, als hätten sie ihn das gefragt, um was er rang, brüllte er dem Jungen zu (der ihn nicht verstehen konnte) die Arme um das Rad, mit Lippen, die sich zerrissen an dem Dolch im Mund:
„O alles . . . hätte ich auf den Bauch geschmissen Dreck gefressen, drei Monate oder vier . . . wären meine Gedärme zerfetzt daran . . . hätte ich den Bart säubern müssen des Bassa jeden Tag von Eiern und Speisen und schlechten Küssen, wäre ich stinkend geworden und nach Übelem riechend und hätte ich keine Zähne mehr im Mund und wäre ich gewesen wochenlang beschämt bei alten Weibern, die hängende Brüste hatten und Riemen von Adern aus den Gliedern quellend . . . o, alles nichts, klein, sehr klein, — — — kein Lachen . . . keinen Wink wert ist es, ist die Schmach gegen diesen Moment, gegen dieses Steigen — — — und was Juana ist — — — was ihr Andenken ist . . . es wiegt nicht so viel, daß ich es nur so sage, nicht einmal mein Brüllen ist es wert . . .“ — — —
Nun hatte Las Casas Ruhe für seine Tat.
Seine Lippen zuckten zerrissen.
Ehrgeiz füllte seine Augen, daß sie grün blitzten.
Die Offiziere standen um ihn.
Blut rann über sein Gesicht.
Mit einem scharfen Ruck warf er das Steuer nach rechts. Geknarr und Erschütterung knirschte auf. Die Galeere lag nun neben der Caramuzzal Yousoufs, deren Geländer sie weggerissen hatte. Dunkle Massen strömten hinüber.
Mit einem Lächeln (dies war sein Tag), ganz ruhig stand Las Casas auf der Poppa. Sein Gesicht war hell und stet wie eine Fahne.