Las Casas brannte in einer Flamme: Juana. —

Seine Blicke hoben aus dem Ende der Wasserfläche einen Garten voll Lauben und Gerüchen und eine Nacht darüber, mit Sternen dicht verschnürt, in der er sie besitzen wollte. Es nahm ihm den Atem. Es preßte alles beiseite. Er mußte ohne einen Ruderschlag Pause nach Cartagena. Er schob den Toten mit dem Fuß zur Seite, da er ihn plötzlich haßte, weil er in ihn die Ursache verlegte (die in seiner eigenen Brust saß), daß er Juana verschmäht hatte.

Da brüllte es hinter ihm plötzlich wie aus einem Ventil: „Wasser!“ Es war ein gellender, trockener Ruf. Er fuhr herum. Murmeln erstickte in seiner Nähe. Aber dort brach es aus: „Wasser!“ . . . und schlug hinüber und zündete und an hundert Seiten zuckte es hoch und heulte aus den Mündern. Die Augen waren ihnen stier geworden, und die weißschweißigen Gesichter brannten.

Las Casas’ Hirn schob blitzschnell den Gedanken vor: Gefahr! Sein Bewußtsein packte zu und begriff dumpf, daß ihm ein Hindernis entgegentrete. Rote Wut schüttelte ihn. Er sprang vor:

„Schmeiß,“ schrie er, „Geschmeiß,“ und wieder: „Vieh . . . Ihr wollt weniger tun, Hunde, wo ich mehr Eile habe. — Sklavenführer, aufs Vorderdeck! . . . Die Riemen in die Peitschen gezogen . . . Zehn Takte rascher gefahren im Viertel der Stunde. — Den Bankersten die Bastonade!“ . . . Seine Stimme war wieder beherrscht geworden. Die Riemen klatschten über die Rücken.

Die ganze Nacht ließ er sie mit Wasser begießen, das sie kühlte und ihren Schweiß wegschwemmte. Allein das Meerwasser biß scharf in ihre Wunden, daß sie schrien über das Geschenk.

Am Morgen stand einer auf als Deputat: „Wir können nicht mehr.“ Niemand hörte auf ihn.

„Gib uns einen halben Tag. Wir legen uns auf den Bauch diese Zeit. Dann streifen wir das Schiff wie einen flachen Stein übers Wasser.“

„Einen halben Tag . . .“ johlten die anderen.

Der Deputat drohte: „Wir brechen die Ruder . . .“ Da gab Las Casas Befehl, ihm, dem die Ohren von Toledo her fehlten, die Zunge aus dem Munde zu nehmen und ging hinunter, die Zähne in den Lippen und bleich. Denn es schmerzte ihn, solches zu befehlen, aber seine Lippen hatten nur ein Wollen, das wie ein ungeheueres Zittern daran hing und auf alles niederfiel, was es sperrte: „Juana!“