Las Casas hatte sich umgewandt, denn was er tat, empörte seine Seele. Er schlug die Arme übereinander, daß sie ihm die Brust einbogen, biß die Lippen zusammen und starrte ins Meer und weinte vor Zorn über sich. Er flüsterte: „Juana“ und empfand Rechtfertigung für alles. Denn er mußte den Abend in Cartagena sein (er kam den Abend nach Cartagena) oder wahnsinnig werden oder zerplatzen vielleicht, und jedes Ding war blaß gegen diesen Willen.
Er hörte keinen Laut wie das Keuchen der Männer. Dabei empfand er, wie die Galeere mit erstaunlicher Geschwindigkeit flog.
In der drückenden Stille hinter seinem Rücken bohrten die achthundert Augen sich auf die Caramuzzal, an der die Boote gerade anlegten. Ein silbernes Horn (wie rein es scholl zwischen den Masten und gelben Segeln!) hob sich mit zartem Laut auf dem Verdeck drüben. Eine Stimme rief einmal (wie klang sie jung und nach Andalusien!): „Seht! Sie tragen Sonnen auf den Leibern.“
Las Casas wandte sich nicht um.
Aber plötzlich trat er zur Seite, wie zerrissen von einem Gedanken und hob den Arm mit einem raschen Mal streng und senkrecht . . . niemand wußte, wollte er Einhalt rufen oder winken.
Doch die Geste wirkte unsächlich.
Es brach ein einziger, das Entsetzlichste aus allen Brüsten lösender Schrei über die Galeere hin. Es war zu viel.
Einer der Sklaven hatte Las Casas’ Bein gepackt. Las Casas verschwand unter der gebeugten Wut von sechs Leibern, tauchte auf, formlos, und flog wie ein Ball auf die andere Seite. Sie warfen ihn sich zu. Vierzig Bänke links. Vierzig auf der anderen Seite. Einer senkte seinen Mund auf seinen Hals. Ein anderer schlug seinen Trinknapf aus Blei auf seinem Kopf fest. Dann blieb er irgendwo liegen. Soldaten kamen herauf, Gefangene, erschlugen die Offiziere, befreiten sich und vergaßen ihn über ihrem Gelage.
Nach einer Stunde brannten drei rote Punkte im Horizont auf.
Sie schwollen und wuchsen, flogen unterm Wind herauf. Drei Schiffe mit roten aufgebauschten Segeln fuhren an die Galeeren heran. Die Sklaven wurden überwältigt. Luis Quijada kam herüber von seinem Segler. Denn er war es.