Dies Lächeln ist die Lebensrichtung geworden für den, der Ihr Dasein streift. Man stürbe gern für Sie. Was an Versagtem in das Gefäß Ihres Körpers zurückfiel, geht in zarter Helle und Herrschaft des Geistes wieder von Ihnen aus.
Selbst wie Sie den wilden Regenbögen, die über den Hausberg flattern, nachsehn, ist eine Leidenschaft, die Sie den Nächten abgerungen. Süß muß der Tod sein, der im Nahen schon so schön verwandelt.
Aber zum Erbleichen furchtbar der Abstand zwischen dem Ziel, dem feurig Ihre Bestimmung einstmals ehrgeizig zugeflogen, und dem Ausdruck, mit dem Sie nun entsagend lächeln.
In der Mitte das Leid. Aber welch ein Ausgleich! Als Sie der Bonne Ihre Tibetgarnitur schenkten, war es dasselbe, als wenn Sie, ohne dies Schicksal, auf der anderen Seite des Schweifens, Kunstreiterin, dem englischen Geschäftsträger Vitriol aus dem Sattel in die Loge aufs Gesicht geschleudert. Ihr unterdrückter Husten bei dem Besuch des alten russischen Admirals gleicht aus, was Sie an Triumph, Tänzerin, auf die Spitze des bolognesischen Balletts unter Blumenwürfen gehoben. Der Charme der Teestunde, der an Ihren Geist anbindet, wäre nichts andres gewesen, als daß Sie, Dompteuse, das Panthermaul schlössen, mit der Pistole einen etruskischen Dörfler getötet. Entgleiste Lokomotiven, fliehende Ballone, aufbrennende Opern haben den Anlaß, aus Ihrem anderen verhinderten Leben zu springen, wenn Sie mit gleicher Milde, als sähen Sie die sieben Freuden Mariä, in den Schlaf Ihrer Müdigkeit hinübergleiten.
Aber, was an Macht über Menschen in Ihnen ruht, wie wenigen der Epoche, was an Zauber Ihrem Körper, an hingebender Grazie Ihrem Hirn, an unaussprechlicher Süßigkeit Ihrem Geist gegeben ist und allsamt Sie in eine Bedeutung erhöht hat, deren Überlegenheit Sie am deutlichsten spüren . . . ich weiß, Sie gäben es mit eisigem Gesicht, stellten es beiseite mit dem Madonnigen, dem Zauber, dem Wissen, Sie würfen als Hundebissen in die Gosse das Milde und Gute, Sie spien aus das Dulden . . ., wenn Ihnen, schon Jauchzende, dafür getauscht sei: prall, stählern an Leib, vogelhaft atmend mit den Lungen, eine Woche nur noch einmal in Hölle und Seligkeit, mit einem Mann, den Sie lieben, durch die Helligkeit Kopenhagens, durch die Schiffe, den warmen Prater, einen vernarrten Frühling Merans zu toben.
Doch man soll die Wünsche nicht wecken. Man stirbt an den Wünschen.
Sie tragen jedoch Ihr Ausgestoßensein mit solchem Gleichmut, daß ich manchmal in der Gewißheit nicht zweifle, daß Sie zu gleicher Zeit wohl auf einem anderen Gestirn in einer behenderen muskulösen Figur alle Leidenschaften, die hinter Ihrem hier abgegrenzten Dasein stürmen, mit selbstverständlichem Frohsinn und einer gewissen Leichtigkeit in der Größe des Ausmaßes durchfahren.
Hier aber sehe ich wie keiner die schmerzliche Zusammengezogenheit Ihres Lebens.
Und ich kann sie nicht vergessen.
Die Leidenschaften haben sich umgedreht. Was mich aus allen Betten und Fiebern und Längegraden meiner Erde zu Ihnen gerissen, hat sich unter diesem Schicksal verändert. Das ist zu einer wohltuenden Fremdheit geworden, die in schwesterlicher Inbrunst meinen Herzschlag begleitet in einer meinem Blut nicht zugänglichen, schön überglühenden Welt, höher als jene dieser Dinge, die mich hier hart verzücken und in Begeisterung fangen. Das ist unser Leben.