Die Lawinen brüllen durch die Woche und grüßen Sie aus der Mondsteppe wie wilde Tiere. Der Himmel hat eine amethystene Schaukel um Ihr Haus gelegt. Morgens stehen mosaische Signale, Säulen feuriger Wolken auf den Spitzen des Gebirgs. Die Natur bereitet Ihnen Verehrung.

Auch die Abschiedspolonäse auf Skiern für Marga Ritterstad und Margit, Ihren Liebling, hat sich als Huldigung gerade Ihrem Haus gegenüber hoch im Gebirge geeint. Die Midussi hat ihr sizilianisches Gesicht zur Komödie mit einem roten Turban geschmückt. Alle schauen auf das Zeichen. Der Riemen Margits löst die Schleife: „Azt a kutja faját.“ Die Schnäbel der Skier haben sich auf Ihr Talhaus gerichtet. Da quillt weißer Wolkenschaum um die Gipfel des Kessels, die Sonne, aufrauschend dunkel schmeißt ihn zurück. Schmetternd wie eine Posaune kreuzt sie über dem Tal.

Mit einem verderbten Schrei wirft die Midussi die Fahne zur Abfahrt und gibt den Start. Nach Ihrem Haus zu verzischt Ihre Linie im Gebüsch. Die Ritterstad fährt wie ein stolzer Fasan. Man soll die Diva nicht tadeln, weil alles sie liebt. Heller Strich auf Strich saust eins nach dem anderen ab nach Ihrer Villa auf dem bläulichen Schnee. Mit Hagebutten in der Hand macht Margit noch Telemark und schaut herauf, dann saust sie hinunter zu Ihnen durch die Latschen. Alle schreien Ihren Namen, die Sie, auf dem Südbalkon Ihres Hauses, das Glas über den Augen, diesen Herabflug aus den Hängen auf sich zukommen lassen, beherrschten Mundes wohl, wie jede Ihnen unaufhaltsam nicht mehr zugehörige Bewegung.

Ich stürzte, über Heidekraut, sechs Meter ein Hecht durch die Luft, eine Parade der Arme, ich fiel auf die Erde zurück, der Bergkreis glühte, blau, dann schwarz. Als ich aus der Ohnmacht aufwachte, sah ich Ihr Haus, Lil Pax.

Ich habe mich aufgerichtet, die Stirn ist zwar verdellert, die Knochen aber sind heil. Ich habe den Fahrtrausch noch im Blut, das Risiko der Stürze noch im Hirn, der Tod hat mich nicht gedämpft. Ich bin voll Kühnheit und Begeisterung. Verdoppelt empfinde ich Erregung in mir laufen und Beglückung aufquellen satt und voll. Das brüllende Tier des Gestirns braust gierig durch das Blau. Ich fühle mich umschwungen von den Menschen und der Fülle ihres Atems und der Farbe der starken Empfindung, mit der diese alle ihre Leben hier gelebt.

In dieser Sekunde der Höhe aber reißen die Menschen ab aus der Melodie. Die Woche, die sie füllten, gleitet zurück zu Ihnen, wie zum Mundstück eines Instrumentes.

Sie nehmen es, schlank, und scharf aufgerichtet in die Hand, führen es an die Lippen: da stürzt sich alles in Sie hinein, begierig, daß Ihr Atem ihm erst Gesicht gibt und es brennend hinauswirft. Was ist um mich all das Getümmel? Ein Teil von Ihnen. Ich sehne mich in Ihre Einsamkeit aus aller meiner Fülle.

Ich spüre Sie in meinem Leben als die Bringerin. Im Seedorf der Vogesen, in der Entferntheit der Blumengärten Immenstads, in Norrbrö, im fensterlosen Gemach meiner Heimatjahre spüre ich Sie als die größere Vielfalt. Denn wenn Sie wollen, werden Figuren und Reihen der Menschen auf der Ebene der Wand mit der Musik ihres Blutes erscheinen, beherrschter und glänzender als die meines Erlebens, so als bliesen Sie sie in Wahrheit auf kleinem goldenem Instrument zart herüber aus der Einsamkeit der Überwindung in meine Einsamkeit der Fülle.

Ist dies der Abschied?

Ich kann, beglückt von dem wilden bronzenen Schild, das die Sonne über die Steppen schüttelt, sportiv, kräftig, Strapazen überlegen, ich kann meine barbarische Stärke nicht mehr dem Zauber entgegensetzen, der, aus Verhängnis und Versagtem gebildet, Ihr Lächeln ist. Es ist zu schwer, wenn man so Großes durchschaut, an sich zu glauben.