Die Leidenschaften haben sich erfüllt. Selbst die Trennung ist da eine heitere Bewegung. Man muß zu leben wissen und sich einrichten. Man trägt den Kopf nicht zwischen den Schultern nach hinten. Hinter Gewesenem seufzen? Die Sentimentalen haben nie eine Frucht aus der Leidenschaft gezogen. Daß etwas so war, ist eine Herrlichkeit. Schied es in Harmonie, welch ein Besitz!

Als ich mit Lil Pax am Abend um den See fuhr, hatte Uga, die Bronzenymphe des Grundes, ihre Lage verlassen und es schien, daß sie sich mit Bauch und Gesicht ein wenig gegen den Wagen hin unter der grassilbernen Oberfläche bewege.

Das Grün kam aus der Tiefe um ihre Glieder mit einer Stille herauf, daß dieser wundervollen Bewegung nur der Mond noch jene gewisse Starre hinzuzufügen vermochte, mit der er riesenhaft die Fahne der Schneefelder entrollte.

Der Mund neben mir lächelte voll Zurückhaltung.

Es gab nichts mehr in der Dämmerung als die selbstverständliche Bewegung der Nymphe. Um Baum und Eis und Pferde schwankte ihre Erinnerung. Dem Lauf der mondmagischen Berge gab sie das Maß ihrer Gegenwart. Wir fuhren durch die Fichten wie durch ein Spalier dieser Anmut, wenn sie sich in dem Reif bewegten.

„Kann man“, sage ich, „jetzt noch den Mut finden zu glauben — und sei es nur der Sportlichkeit der Vergleichung halber — daß eine unter der Masse jüdischer Rodlerinnen, Danziger Offiziersfrauen, der Filmerinnen, bebuster Antiquariatsweiber, württembergischer Reichsgräfinnen, der Pilules-Orientales-Breeches, der Dichterinnen, der A. E. G.-Direktricen . . . . . daß eine nur vermöchte, dieser göttlichen Bewegung sich anzugleichen und auch nur annähernd dieser Überlegenheit nahezukommen . . . .

daß eine vermöchte, zwischen dem zarten Rosa der hochgeschwungenen Wade und den breiten dunklen Schenkeln, Kniescheiben von dieser Kleine und Rundung zu wiegen und die stählerne Wucht der Jägerin auf so verengten Hüften zu heben, daß Kerstin selbst diese Linien der Göttin nur in ihren besten Stunden ertrüge . . . . . .

daß zwischen hirnlosen gelben Husaren im Schlitten solch unirdische Geste irgendwo hier aufzustehen vermöchte, und daß unter der Verbrämung der Pelze der Blick einer solcher Anmut gleichkommenden Frau den Horizont absuchen könne bei den idiotischen Foxtrottphrasen der bayrischen Flachstirnen . . . . . .

daß am Tisch in der Nase bohrender Tanzdivisionäre, korsettierter Hochstapler, kastrierter Erlauchte, gemalter Perlenweiber eine so gestaltete Frau die Angst der rasenden Großkapitalisten umschwirre . . . . .

daß sie eintrete in von jüdischem Kommerzienrat mit dunkelbrauner Glatze und schlechten Knickerbokkers ihr geöffneten ausgehaltenen Appartements . . . . . .