daß vielleicht auf dem Eliteball der geflüchteten Aristokratie sie heimlich ihren Fächer trüge, und, in weißen Handschuhen und Hofballpantomime in schäbigem Restaurant die verfallene Zeit in den kleinsten Symbolen aus Trotz betonend, vor Spartakiden jede Minute erzitternd, zwischen schlecht geratenen fürstlichen Kuriositäten und vermiesten Exzellenzen in steifen Tänzen stünde . . . . . . und vielleicht sogar in einer unheilvollen Sekunde dem fehlenden Kinn und der Grande-Bouche-Chevalerie des hohenzollernschen Reichspinguins entsetzlich verfiele . . . . . .
und daß in der plötzlich ausgelöschten und ohne diese Erinnerung freudlos gewordenen Schneesteppe überhaupt irgendwo, daß in Hotels, auf Bobs, bei Sonnenaufgängen, in gescheiterten Schlitten, bei Skistarts sich die grenzenlose Überraschung solch göttlichen Lächelns zu entfalten vermöchte, an dessen Entzündung die Leidenschaften erst sich zu entwickeln vermöchten in die märchenhafte Höhe . . . . . . — — —
Aber alles in mir wird nun trotzdem die entsetzliche Bemühung antreten, dennoch ein lebendes Ebenbild zu finden, das, ebenso erlesen und dieser Gebärde an Schönheit vergleichbar, der frauenhaften Adligkeit Kerstins auch noch das Unbegreifliche der Göttin hinzufügte. Suchen wir. Es gibt keine Phantasien.“
Aber es kam scharf aus den Pelzen, die einer Wolke gleich über dem Wagenbord flauschten:
sie vermöge in Wunsch und Absicht dieses Planes schon nichts anderes zu sehen als jene maßlose Überhebung unserer Rasse, die, ohne Übergang der Kulturen, das Herrliche sofort für sich requiriere . . . . . und die wir glaubten, pathologische Athleten, neben der Dummheit den Mut der Stiere als Erbschaft tragend, auch das Gezüchtetste und Überirdische neige ohne Bemühung schon sich unsrer Ungestalt als natürliche Beute . . . . . .
und daß das kindische Haschen (und nicht begehrenlos Ertragenkönnen) nach der göttlichen Spiegelung mit seiner rohen und nur auf Gewalt gestellten Äußerung in seiner naiven Zufriedenheit schon jener unendlichen Rührung nahekomme, mit der der Glaube unsres Volkes, Gott habe vor anderen es auserwählt zur Herrlichkeit (obwohl er es mehr wie irgendein anderes als Sklaven gestempelt und täglich vor die Tiere warf) seine schwarz-weiß-roten Patrioten als so besonders arme Akkoucheure des Glückes erscheinen lasse . . . . . .
und daß schließlich doch nur Besessene und Wilde das Unmögliche nicht zurückschrecke, die wir auch nach der tragischen Lächerlichkeit unserer Revolten seit der Reformation bis zu den Bolschewiken das Bittre unserer menschlichen Unvollkommenheit immer noch nicht als Verworfenes erkennten . . . . . und unserer Rasse tiefste Mischung von Roheit und Sentimentalität auch in den überlegensten Minuten nicht verleugneten . . . . .: Barbaren der Sehnsucht. — — —
Wieder überflog ihr Auge und den Mund der Charme, der an ihr Leben bedingungslos band, und der auch in der Anklage dem Gezüchtigten Bewunderung nicht entzog: „Immer“, klagte sie, „sind die erstaunlichen Vögel seewärts gezogen und ins Meer gestürzt. Man kann sie nicht hindern.“
Ich wende mich den Pferden zu vor Lachen.
In ihre Kosakenpupillen ist plötzlich das Grün getreten. Auf dem Bach zur Linken flimmert es in Kreiseln. Der Hohlspiegel der Gletscher wirft es mit Scheinwerfern herauf über die Schneeprärien. Die Erinnerung der Nymphe ist aus dem Spalier der bereiften Bäume heraus bis vor den Himmel gedrungen. Alle Entgegenkommenden haben Seefarbe über den Brauen. — — —