Ihre Ärmel streiften über das feine Mehl der Blütenkätzchen. Durch ihre liebkosenden Hände zog sie die schweren Ährenkronen des Weizens. Sie bückte sich zu Blumen, die sie pflückte. Sie unterschied genau die Farben, blau . . . weiß . . . orange. Sie band sie zusammen und hatte Freude darüber im Herzen.
Des Nachts spielte eine Melodie an ihr Ohr. Sie lauschte lange. Dann kam es durch das wogende Gemach auf sie zu: das Wiegen des hellen Baches.
Die Musik aber stieg.
Sie lauschte lange: . . das Meer ihrer Jugend, dessen Geräusch ihr Blut nie vergaß.
Ihre Brauen spannten sich lang, sie sah Figuren, Geruch ihrer Heimat, aber die Liebe des Mannes umgab sie zu mächtig, als daß die Erinnerung den Ring durchstieß. Es hatte keinen Sinn in der Bedeutung ihres Lebens, das gefüllt war.
Es schwand dahin, wohl begleitet von Tränen.
Aber die wuschen es nur ganz aus ihrer Seele dahin.
Sie empfand auch im höchsten Rausch die untrennbare Zugehörigkeit ihres Blutes zu ihrem Vater diese Nacht. Sie wußte, daß ihr Leben tief verwurzelt zu ihm gehöre. Aber an Saint-Loux dachte sie nicht.
Aber sie vermochte nicht, den Gestalten und Landschaften ihrer Jugend an das Herz zu fühlen. Sie sah sie, aber sie traten nicht auf sie zu, heischend und verlangend. Langsam spielte um sie wieder das Singen des Baches.
Auch es erlosch in dem Schlaf, der sie umfiel.