Er stieg vom Dampfer, nahm die Bahn und ging quer durch Cornwall zurück. Am Waldrand bei Liskeard bettelte ein Vagabund ihn an, Harri bettelte zurück. Da lief der Störzer wie ein Eber schreiend davon. „Simpelst thing in the world“, sagte Harri, sah ihm nach, fischte ein paar Tage Forellen mit Edinburgher Studenten, fuhr durch blühende Grassteppen ans Meer, durch Sussex, und kam nachts nach Paris.
Im Hotel neben dem Panthéon schrillte dieselbe Nacht unter einem Dietrich das Türschloß, sein Schlüssel flog heraus, das Licht ging an, ein Herr im gelben Pyjama stand vor seinem Bett, verbeugte sich, hielt den Finger auf die Lippen, deutete auf eine Dame, die hinter ihm stand und glitt lautlos hinaus.
„Wie heißt der Mann?“ „Gallow.“
Sie flüsterte zitternd, während draußen der Lift hochschoß, Männer liefen, ein Zimmer erbrachen, die Stimmen aufkrischen und langsam zurückfliehen und verschwanden. Harri bot der Dame sein Bett an und verpflichtete sich, im Lehnstuhl zu schlafen, die hatte einen Kimono über dem Hemd, die nackten Beine bebten. Nach zwei Stunden entführte sie Gallow mit einer Verbeugung, eine Limousine nahm sie auf vor dem Hotel, die Vögel sangen bereits in das Lila einer Dämmerung.
Mit dem Grafen Shanvady, mit dem er eine Zeitlang in Ettal zusammen war, fuhr er die ersten Tage nach St. Germain, nach Enghin, nach Calais. Mit Shanvadys Cousine Mirei fuhr er zum Sonnenaufgang nach Trouville. Im Motor begleitete er sie durch das Abendrot der Seine am Trokadero.
Ihre Schläfen waren leicht eingebogen, die lebhaften Nüstern zitterten scharf und anmutig, das Auge war bedeckt mit einem perlmuttenen Schleier, unter dem das leidenschaftliche Herz sich kühl verbarg.
Vor Bildern, im Musée Moreau, vor den Räuschen übergroßer Empfindung, fiel ihr Gesicht wie eingestürzt noch nach innen. Sie war so unerlöst, daß der Hauch einer seelischen Bestürzung sie erstarrte, eine Zärtlichkeit der Stimme sie fiebrig den Blick verschwimmen ließ.
Auf den Rennen in Auteuil traf er dagegen am Totalisator Gallow wieder, der eine Bande kommandierte, die zwischen den Buchmachern, Jockeys und Startrichtern hin- und herschoß und signalisierte. Er setzte auf ihre Tips, gewann, verlor, gewann. Angezogen durch die Organisation blieb er dabei, nachts endete er mit einem Umzug durch die Brasserien des lateinischen Viertels. Da Gallow am nächsten Tag in die Provence verschwand, kam von dem Räderwerk einiges an Harri heran.
Er schaffte den holländischen Photographen Visser, der die dunklen Höfe für drei Sous aufknipste in ein illustriertes Journal, wo Visser die Klischees an Althändler zu verkaufen vermochte mit siebenfachem Gewinn gegen seine Gage. Er schob Germaine als Tänzerin in das Ballett, wo beim achtundzwanzigsten Mal erst ihrer Schenkel Kraft einem Kritiker auffiel und Germaine auf den Punkt gelangte, ihr gewisses Renommee und diesen Ruhm zu abenteuerlichen Räubereien an der Gesellschaft zu benutzen.
Er bugsierte den Juden Blumenthal in den Marstall des Präsidenten, der dann, von der Opposition bestochen, das Pferdezeug durchgehn, den Wagen auf der Straße von Neuilly umschmeißen und den wackelnden fetten Mann als Oberhaupt der Republik von Maulaffen und Verbrechern mit Birnen beschmeißen und in aller Taghelle besudeln ließ, bis seine glänzende küraßte Kompagnie herbeikam, aber den Skandal nicht mehr aufspießte, der aus einem Film und hundert Karikaturen über Europa flitzte.