Er bewegte sich in dem Milieu politischer Flüchtlinge, bankerotter Literaten, sozialer Bohèmes und Glücksrittern, in diesem nihilistischen und auf Karriere bockgeilen Milieu mit der Sicherheit seiner Beziehungen und seiner Uninteressiertheit.

Dazwischen sah er Mirei.

Bald mischte sich sein Leben.

Er saß mit der Ungarin in der Opernloge, aß mit ihr und Shanvady im Café de Paris und fuhr im spiegelglatten Auto in den Klub der Rue de Grenelles.

In derselben Nacht in schiefer Sportmütze und Sweater decouvrierte er den Rennfahrer Müller, der im Absynthrausch in der Rue Champollion gestürzt war, als Besitzer eines zerborstenen Holzbeins, Spitzel, und Besitzer von fünfhundert Francs, die er verschwiegen und sich von den kleinen Kokotten hatte aushalten lassen.

Er tastete mit Mirei die Knoten der ältesten Spitzen ab im Musée Cluny und ging dem Filigran nach in seine jahrhundertalten Verästelungen.

Er holte Hallboog hingegen aus seiner fensterlosen Baracke, wo er zwischen dem Bild einer Frau, die ihn betrogen, und dem Glas darüber, eine Brut Wanzen züchtete, und brachte den gertenschlanken, haarumbauschten Burschen zum Führer des Chors in eine dramatische Revue des Odéon.

Er ging im Promenoir der Folies Bergères, den Zylinder im Genick, die Hand in der Fracktasche neben Mirei, und machte in dem Café der kleinsten Huren den Kroaten Mitro Petrova aufmerksam auf eine Notiz im Figaro, die einen phantastisch reichen und abenteuerlichen Sportsmann und Aristokraten seiner Rasse bei Geschick in seine Hand gab.

Er fuhr zum Golf auf den graziösen Avenüen zwischen den Idyllen und Zartheiten der Gebüsche mit Mirei im Bois de Boulogne auf dem Mail.-Phaeton, und brachte Petrova hingegen unter als Spitzel gleichzeitig bei dem serbischen und österreichischen Konsulat.

Er glitt mit dem Räderwerk, das er stellte und spielte, tief in das Milieu, war im arabischen Viertel heimisch wie ein Zuhälter, kannte und lernte die Tricks der Polizei, der Gesellschaft, lernte die Finten dagegen, die Fallstricke, die Betäubungen der Gegnerschaft. Wußte, wie Mädchen verkauft, Männer ausgetrieben werden, kannte die Führer der Milchdiebe und der panslawischen Komitees, lebte in dem Rauch der europäisch gemischten unruhsamen Retorte, wurde von Mirei nicht erkannt, als er ihr als Camelot ein Abendblatt vor der Oper verkaufte, nicht, als er statt Hallboog dem Chor im Odéon die Stichworte gab, aber er brachte genug unausgesprochener fremder Welt an sie heran, daß sie ohne Begreifen aber gefüllt bis zum Rand mit Instinkten mit ganz weit geöffneter Iris und dem fiebrigen Pochen, gleich einem dahinter schlagenden Vogelherz, ihm gegenübersaß.