Erst in der Nacht kamen sie an den Bau.

In der Nacht suchte in der Beleuchtung des Mondes sie des Abtes Gesicht. Er schlief und sie sah nicht die dumpfe Glut seines Auges. Aber sie fand ihn schön. Zufrieden erwachte sie am Morgen. Ihr Blick traf die Spitze der Pyramide. Die Drähte mit den Glocken, die wie Vogelschwärme daran hausten, klangen erregt in der frischen anziehenden Luft.

Als sie die Alleen hinunterschritt zu einem der Tore, brausten sie über ihr, mit einem geheimen Ton der Erregung, den sie nie hier vernahm. Der Boden roch, daß ihre Nüstern sich spannten, es war der schwere Duft der Erde nach Regen. Als sie hinaustrat in die Ebene, sah sie sie mit einem ganzen großen Blick. Ihr Auge faßte alles Einzelne zusammen und blieb an der Ferne hängen, an der die seidenweiche Luft als lange Bläue hing.

Sie führte ihren Weg oft nun nicht nur nach den Gaben. Menschen reizten sie, sie hatte Freude an unbekannter Gegend. Neue Städte mit ihrem Schwarm, der wechselte, berührend, vergaß sie in der Freude am Augenblick und der Entdeckung alles, was über und um sie war.

Eines Tages übersprang sie einen Bach, fiel auf das Knie, und als sie den Boden schmerzhaft berührte, empfand sie Sehnsucht nach Saint-Loux. Ihr Blut schuf ihn ihr wieder, der die Sehnsucht zuerst von ihr nahm. Er stand in einem Busch, den Arm entblößt, wie fechtend. Sein Muskel tanzte. Die Augen in dem zerrissenen Gesicht funkelten vor Geist. Sein Mund war kühl gefaltet. So sah sie ihn wieder zum ersten Male, der wie ein Schicksalsrufer ihr seit jeher die Pausen ihres Daseins wies, der immer nur kam: nach Vollendetem.

Ein wilder Schmerz brach in ihr aus. Sie blieb eine Weile liegen. Hob stumpfe Augen und sah nur langsam die Erscheinung verschwinden und sich verändern in die Gestalt des Abtes. Tief erschrocken über sich ging sie durch das Tor.

Die Nacht ging das Sonnenjahr zu Ende um die Mitte des April. Sie wohnte schon zum zweiten Male über dem östlichen Tor.

Da schob eine Armee von Lichtern über die Ebene gegen das Kloster.

Die Nacht war sternlos. Riny beugte sich weit aus ihrem Fenster. Um die Mauer des Klosters brannten Holzstöße vor allen Toren.

Wie durch Nebel gespiegelt kam ein dunkler Zug aus dem Horizont herauf. Eine leichte Musik ging vor ihm her in der hellen Nacht, durch die Scheine irrten. Langsamer Gesang erstarb. Indische Gitarren und birmanische Harfen sangen. Über ihnen grollte das Rollen der Trommel und Gong. Plötzlich war die ganze Nacht wie Gold.