Vom Wagen links und rechts sich neigend, verständigten sie sich, daß hier der Rousseau gemalt, dort der bauernhafte Millet, da der Daubigny, und am Ende überall der aus Silber und Flöte die Welt geschaffen: Corot.
Schon im Schloß lächelten sie sich zu und begannen die Säle zu durchrennen, immer süßer wie von ihrer eigenen gleichströmenden Harmonie weitergetragen, bis Mirei neben einer schlanken elfenbeinernen Vase der Marie Antoinette stehen blieb, errötend, ihn erwartend und die Hand auf der Brust, atemlos: „Fühlen Sie mein Herz“.
Alles war nunmehr aus ihr herausgetreten und hatte sich in ihrem Gesicht aufgestellt, bereit wie mit einer großen und feierlichen Zeremonie ihn zu empfangen und ihm entgegenzutreten.
Allein in diesem Augenblick entfernte sie sich unter seinem Blick, er fühlte keinen Anlaß und keine Begeisterung hineinzutreten in diese Welt, als sie sich ihm öffnete, er vermochte sich nicht darauf zu spannen, daß dies ihm etwas sei. Der Tod hatte ihn zu sehr entrückt, er bestand die erste Probe nicht, mit der das Dasein ihn lockte.
Flaumenweich, dünn und zwecklos floß es ihm weg, er neigte sich nur lächelnd und zurückhaltend, als höre er. Abends nahm er im Luxembourg-Garten eine tschechische Studentin mit, küßte ihre Knie und lachte über die Nationalbänder, die sie durch ihre Wäsche geflochten.
Am anderen Abend eröffnete er mit Hallboog das Kabarett in der Rue Champollion. Er suchte Hallboog damit durch die Varietésensation in die Literatur hineinzubringen, aus der dieser abgebogen war durch ein Weiberunglück, und in die dieser ungebrochene und nur zum erstenmal zusammengeklappte Jüngling mit penetranter Begabung gehörte.
Den Tag über hatte er alles, was irgendwie ihre Kreise streifte, als Sandwichmänner mit Plakaten herumgeschickt. Germaine, die er gestartet, war im Auto mit Herren im hohen Hut angefahren, um als Favorite nun wiederum diesen Start zu machen.
Shanvady in grünem Seidensweater, Apachenmütze, Lackpumps und rotem Halstuch eröffnete, indem er ein Florett durch das Billard stach und, das sechseckige Monokel eingeklemmt einen dicken Herrn in der ersten Reihe verhöhnte. In der Hand hatte er zwei Diskusse, die er dröhnen ließ. In der vierten Nummer sang Germaine, indem sie beinahe nackt auf dem Tisch tanzte: J’offre ces violettes / Ces lis et ces fleurettes / Et ces roses icy / Ces vermeillettes roses / Tout freschement écloses / Et ces oelliets aussi. Die Spanier kamen, warfen ihre spitzen Hüte hoch, schrien ihre Namen: Tomé . . . Elisabat . . . Camacho . . . Curchuelo. Ein zamoranischer Dudelsack pfiff dazwischen, aus den Ecken gingen Grammophone wie Böller los, Überraschungstüren knallten mit aufgebundenen Akteuren um eine wagrechte Achse.
Da sprang über einen Tisch der Holländer Visser, streckte sich eine Sekunde mit dem pockennarbigen Gesicht wie ein Pferd in die Höhe, machte einen Riesensprung und stieß, ihm in die Augen sehend, Hallboog zwei Messer in den Rücken. Die Scheiben des Cafés wurden eingedrückt, Sanitätsleute liefen vom Boulevard herüber, das Polizeirevier sperrte ab.
Sie frugen Visser: warum. Er vermochte nichts mehr zu sagen als den Namen seiner Schwester, die verschwunden war, er sagte ihn bis an sein Lebensende.