Das Komitee ward verhaftet und zurückbehalten. Shanvady rettete sie, indem er plötzlich mit dem grauen Torpedoauto der Botschaft vorfuhr.

Am anderen Morgen traf Harri, aus dem Metro steigend, Mirei. „Wir sind im selben Wagen gefahren und haben uns nicht gesehen.“ Er nickte. Ihr Gesicht sprang fast wie dünn gewachsenes Glas unter den verhaltenen Tränen. „Ich fahre am Abend.“ Er nickte und schwieg. Sie gaben sich vor ihrem Haus die Hand. Bald darauf kam Harri an die Seine.

Ein Dampfer legte bei an dem Steg, er bemerkte jemand, der ihm winkte. Ein Engländer grüßte von dem Dampfer mit hellen Handschuhen ihm herauf, aber erst, als dieser die große Reisemütze abtat, erkannte er Petrova, der, zwischen Lederkoffern und eine Frau neben sich, dem Glück eines Tricks nachfuhr, der ihn in die Höhe geworfen, und den sofort eine Rauchwolke, die das wendende Schiff machte, verhüllte.

Vom Arc de Triomphe sah Harri die Stadt wie einen Stern geordnet und Züge, die in das gewellte abendblaue Ackerland hinausrollten. In einem der Züge war Mirei.

Gegen Mitternacht sprang er über das Gitter des luxemburgischen Gartens, trat in die Platanenallee und kam in die Nähe des Platzes, wo der Wind auf fünfzig Meter die Fontäne gleich einer Peitsche herumschlägt. Auf der Bank saß ein Mann, er erkannte, als dieser aufsprang, Shanvady.

Harri hatte die Hände vor die Augen geschlagen, um besser zu sehen. Das verkannte Shanvady und machte eine Bewegung, die aufforderte, sich ihm vollständig hinzugeben. Als sähe er in ihm einen Zusammengeschlagenen, sagte er: „Kommen Sie mit mir, schließen Sie sich mir an. Ich führe Sie, zu was Sie wollen.“ Harri starrte ihn an.

In diesem Augenblick kam die Fontäne armdick angesaust und Harri fing sie mit der Brust und entgegengeworfenem Gesicht auf. Damit waren sie zu nah in das mondvolle Rondell getreten, die Wache am Schloß trat ins Gewehr, ein Trommelwirbel, die Qui vives kamen durch die Bäume. Die beiden sprangen zurück, machten kehrt, rannten durch die Allee, über die Mauer auf die Straße und verloren sich dabei. Anderen Morgens trafen sie sich, ohne von dem Abend zu sprechen, im Zug nach Straßburg, von wo Shanvady auf eine Besitzung fuhr.

Harri begleitete ihn nicht, versprach ihn später zu besuchen, reiste weiter, im übrigen vergaß er diese ganze Epoche rasch, sie blieb ohne Widerhall in seinem Leben.

Als er Fische wieder fing, war alles aus ihm heraus mit dem Fluß schon abgeströmt und nichts da als das pastellne Rosa-Schaukeln der Wolken und Dächer, das Kuhgebrumm und das Schlafbedürfnis, das von den kräuselnden Ulmenschatten über die abendlichen Matten herüberwehte. Als er Dover sah, nahm er es nackt und ungetrübt, ein Spiegel, der zum erstenmal die Welt in sich spannte. Er sonnte sich wie in sich selbst ruhend, am Strand, auf den Schiffen, als sei nur pausenloses Leben vor ihm und hinter ihm nichts.

Es gab viele Genüsse freilich, die ihn leicht erheiterten, aber es hätten ihn aus seiner entfernten Kühle nicht einmal die Schmerzen getrieben. In Husum knackten die Fischermotore, in Trouville sangen die Austernverkäufer weiter, weiter . . ., in Hamburg krischen die Matrosen: „Glorie, glorie, Hallelujah / Schön sind die Mädchen von Sankt Pauli-Altona.“ In dieser Zeit vermochte er sogar viel zu lesen und zu studieren.