Riny blieb lächelnd, den Finger an der Lippe, an einem Fenster stehen und schlich sich an, spähte hinein und kam wortlos zurück. Er nahm ihren Arm. Aus den Fenstern schlichen stille lockende Rufe in die Nacht. Sie sah Frauen herausgelehnt in verschwommenen Umrissen, ihr Herz klopfte mit einem Male, als sie verstand, wo sie waren. Im Leuchten einer Laterne stand ein Weib mit bloßen Brüsten auf dem Dach eines Hauses und zog an einer Glocke, die zart und flüsternd hinausfloß in die Dunkelheit, die immer weicher sich um sie legte, beladen mit dem Geruch der Körper und der Duftigkeit der Blumen aus den Gärten.
Wortlos ging sie weiter, der Arm Thengos stützte sie, und sie empfand mit Freude seine Haltung. Sie sah zu ihm auf. Sein Mund schwebte geschlossen in der Luft. Er führte sie bis an ein Haus, das im Schatten eines Gartens lag, ihre Hand immer streichend, die wärmer und feuchter wurde unter ihm. Sie drückte seinen Arm.
Er hob den Klopfer und schlug ihn gegen die Tür.
Zweimal gongte er durch die Dunkelheit, bis die Flügeltore aufgingen, zwei weiß gekleidete Frauen sie anstarrten. Er winkte ab. Fett kam ein Chinese, schickte sie weg und schaute schielend von unten nach Thengos ziselierter Kette. Sein Bauch knickte ein und schwabbte über die Knie, sein Gesicht glänzte fett vor Ergebenheit, obwohl er nur den Rang, nicht den Fürsten erkannte.
Thengo gab ihm einen Wink mit dem Finger.
Eilfertig schob er die Gardinen weg und sie traten ein, Riny nahm Thengos Arm. Ein Zimmer sah sie, mit einer Veranda in den Garten hinausgeschoben. Die Tür fiel zu. Eine zarte leise Stimme sang zu einer Harfe ein Lied und von der anderen Seite schwoll gedämpft ein erregtes Flüstern herein.
„Endlich“ . . . . . Thengo umarmte sie, mit beiden Händen ihr Gesicht streichend, unfähig noch zu schweigen.
Den Ausschnitt des Fensters säumten Blumen nach dem Garten, ihr Kopf lag auf dem Binsendiwan und seufzte. Ihre Augen waren beide starr. Rot sank zu rotgeschweiftem Hügel. Sein Mund tastete über ihren Leib, ihre Blicke lagen bei den Pflanzen, die golden in dem Nachtausschnitt standen, sie schmolz hin. Sie rief einmal seinen Namen. Er jubelte ihren dagegen. Dann lobte er ihren Körper, sein Mund hatte viele Vergleiche, die wild waren oder dufteten wie Blüten. Er war so angefüllt von verhaltener Sehnsucht, daß er sie nicht mehr sah, wie sie war. Blind hingegeben seiner Trunkenheit machte er sie zur Andacht. Was ihn erfüllte, aufgetrieben noch durch den Reiz des abenteuerlichen Hauses, strömte zu ihr, er heiligte ihre Knie, er weinte über ihr Auge, seiner unbewußt koste er sie.
Nie besaß er sie so sehr.
Sie lag blaß auf dem Lager und gab ihm jedes ihrer Glieder mit einem hinströmenden Gefühl. Sie gab jeder Stelle ihres Körpers die Kraft, daß sie jeden Kuß aufnahm und erwiderte und stärkte.