Ich bin merkwürdigerweise mit einem Mal ausgelassen, wir lachen. Ich nehme Sivs Arm. Vor der Brücke stehen wir und lassen die Wachtparade passieren, hechtgraue Soldaten sehen wir mit gelben Troddeln um die Taille und Musik und den Führer, der in erhobenen Armen zwischen den Fingern einen silbernen Stab hält. Wir schauen und kommen höher auf den Skansen, wir riechen die wilden Tiere und Siv sieht mit angezogenen Nüstern die See. Ich schenke ihr die weißen Korallen, die ich mitgebracht. Siv hat den Rhythmus der Musik noch in den Knien. Wir besuchen die Renntiere, die unter Weidentroddeln ihr flaumiges Geweih blutig reiben, die Polarwölfe, die Silberfüchse, plötzlich schweift unser Blick über die vielen Fjorde bis dahin, wo die schwärmerische Luft des süßesten Frühlings mit der Herbe und dem nackten Granit der Felsen zusammenprallt.
Ich verweile eine Sekunde.
Als ich mich abwende, bin ich voll Trauer und Verzweiflung. In Djurgården schimmert dunkelgrün der Tau. Üppig schwillt über mir die blaue Fahne mit dem gelben Kreuz. In Kungsträdgården ist Musik, aus den Fischnetzen des Mälar fallen langsam die kristallenen Tropfen.
„Willst du zu Blanche?“
Ein Orchester sitzt hinter den Crèmegardinen.
„Nein.“
Wir gehen auf und ab zwischen den Bäumen und den Matrosen in der Dunkelheit und hören lang auf die Geigen, dann enden wir auf einer Bank.
Nachts wache ich auf im Hotel. Siv ist schön, bezaubernd die federnde Größe ihrer Beine, die Linien, die im Bogen weiß von den Hüftansätzen über die Brüste laufen. Ich liebe sie und sie ist mir fern.
Ich fühle nur: Auf der Ostsee fährt irgendwo ein Dampfer. Der Expreß saust durch Småland. Die Nordsee steht dunkel gegen Christiania gespannt. Der Bär im Skansen träumt durch die Gitter und die Sterne flirren darüber kalt. Ich fühle mich in der Gewalt einer Bestimmung, die mein gewohntes Erleben ablöst, unempfindlich macht mit Auge und Seele gegen die sonst geliebten Reize. Nun kommt der Morgen. Sivs Feiertag ist zu Ende.
Als sie sich erhebt, fallen die hellen Haare ihr übers Gesicht, die Frühe lehnt sich kaum vom Mälar herauf und ist fast nur Duft. Der schmale biegsame Körper bebt auf den Gardinen.