„Zwei Tage . . .“

„Siv, schöne Tage, weil ich an dich denke.“

Kopfschüttelnd: „Es wird nichts sein, denn du bist nicht da.“

Ich bleibe zurück.

Ich fühle, daß mein Leben sich ändert. Aber ich weiß nicht, warum und wie. Wie zerborsten bin ich und doch wie klar.

Am Morgen später kamen Reporter, ein Photograph. Ich empfing nicht, leugnete ab. Beim Frühstück las ich, daß die konservativen Blätter aus Liebe zu Deutschland mich deckten, „Sozialdemokraten“ griff mich und zugleich auch Mannerheim an. Um zehn Uhr rief die Gesandtschaft an. Ich dementierte. Um halb elf kam der Pressechef. Mannerheim hatte sich beschwert, ich beruhigte den Beamten, konnte es in der unbestimmten Lage, die meine Mission umzirkelte. Ich gab ihm eine gute Darstellung des Lachsfangs in einer nördlichen Schäre. Mannerheim und die Stockholmer Presse erhielten das Dementi. „Dagens Nyheter“ erlaubte sich den Scherz meiner Vielseitigkeit später. Als ich ausging, hielt vor dem Hotel ein Bursche ein tänzelndes Pferd. In der Glashalle erhob sich der Reiter, Erzbischof Sahlström, schlug mir athletenhaft auf die Schulter, ritt neben mir den Quai entlang, kreiste von Literatur zu den Gäulen in die Politik.

Ich führte den blauäugigen Fuchs noch verschlungener in die Irre.

Am Gesicht des Gesandten beim Frühstück empfand ich seinen Ärger: „Wenn wir auch keineswegs die militärischen Narren im Amt in Berlin stützen . . . müssen Sie, Herr, sich gerade fangen lassen?“ Ich hatte eine kleine grüne Bronze in der Hand, die Rodin dem Minister geschenkt hatte, ich setzte sie hin und verbeugte mich: „Die Karambolage mit dem mongolischen Ludendorffimitator, ach Gott, Exzellenz . . .“ ich erzählte ihm leis einiges, aber nicht alles, denn unser Weg ging nur ein Stück zusammen, und meiner weit über seinen hinaus. „Ich habe dem Minister des Innern zwei Lachse senden lassen, die ich offiziell vor drei Tagen im Binnenwasser fing mit einem Kompliment auf den Reichtum der schwedischen Gewässer.“ „Nach dem Dementi?“ Nicken. Die runden Augen sahen fragend aus. Ich sagte: „angenommen.“ Exzellenz trommelte mit den Fingern auf die Kniescheibe, wir gingen zu anderem über.

Es gab französische Küche, der Gesandte fing seinen übervollen Geist in den entzückendsten Anekdoten und führte die Probleme mit anziehendem Geist in die Form. Es schoß dauernd aus ihm von Aperçus, denen das Frühstück an Eleganz und Zusammenstellung entsprach. Ich hatte manchmal an dem Mittag das Gefühl, von einem Parterre meines Inneren aufs andere zu stürzen und sah andere Ebenen gleichfalls bereit. Bei Schnaps und Zigarren entwickelte ich den Plan der nächsten Woche, die Beziehungen, die ich anschneiden wollte und wie ich es zusammenzuführen gedachte.

Der Marineattaché kam dazu. Exzellenz gab ihm ein in rotes Leder elegant gebundenes Buch, das er in französischer Sprache früher über deutsche innere Politik in Paris veröffentlicht hatte, schleuderte die Augen anklagend gegen den Plafond und begleitete mich durch den Vorraum.