Ich fuhr in einer Fähre nach dem Saltsjöbadenbahnhof, wechselte die Oere in ein Kupferblech, warf die Marke in die Messingbüchse, nahm den Motor und fuhr durch die Schären nach Gunnaris. Wir verhandelten den Mittag, ich konnte ihm nur die Umrisse erklären, er dachte lange nach, grübelte und hatte plötzlich einen kühnen Plan.
Er telefonierte.
Am Abend kam Almqvist. Mit wundervollen Beinen, elegant, der beste Mann Schwedens. Er war sehr zurückhaltend. Gunnaris sprach lange auf ihn ein, Almqvist schien sehr ungehalten, daß Gunnaris ihn kompromittiert habe und Gunnaris ward verlegen, denn er glaubte nun auch, wenn auch aus Dankbarkeit und großer Freundschaft zu mir, zu weit gegangen zu sein.
Ich nahm an, daß Almqvist, der sehr viel zu verlieren hatte (ich wußte nicht, wie es damals schon in ihm aussah), mißtrauisch auf mich sei als auf einen Deutschen, wie jedermann damals in der Welt. Doch war es dies nicht. Er war zornig, daß Gunnaris einer Sache wegen, die nur entfernt ihre eigenen Ziele berührte, ihn in eine Situation warf, die den Unterschied zwischen seinem Leben und seiner Tätigkeit leicht verwischen konnte.
Ich sagte ihm daher frei und offen drei Dinge, die ihn an mich binden mußten, die ich von ihm wußte. Auch ich hatte einmal in dem Hospiz gewohnt, in dem er seine vielseitige Rolle spielte.
Wir fuhren, eifrig redend, in der Dämmerung zurück. Ich kannte sein nach der Gesellschaft hin gekehrtes Dasein, leicht begeistert, Freund der Frauen, anständig, mit starkem Aufwand lebend. Ich suchte dies zu durchbrechen, ihn anzusaugen nach seinem Kern hin, beroch, bespielte jede Pore, es war ein stilles, langes Sichmessen. In einem kleinen französischen Restaurant neben dem Hotel Exzelsior sprachen wir, etwas zog uns unbedingt gegen alle Widerstände zueinander. Wir redeten mit einer halsbrecherischen Offenheit, in einer Stadt und einer Zeit, wo Geliebte gegeneinander stumm blieben, aus Furcht vor der verräterischen Atmosphäre. Unsere Ziele berührten sich, wir wurden, indem wir sie besprachen, ernst und niedergeschlagen. Wir speisten in der Wohnung seiner Freundin. Almqvist war bestrickend, sang, spielte zur Laute und umgab die schöne Frau mit einer hinreißenden Liebenswürdigkeit.
Den folgenden Morgen berieten wir ganz durch, mittags arbeitete ich angestrengt, zog mich in der Dämmerung um und ging zu dem Portefeuilleträger des Inneren speisen, mit dessen Schwager ich freund war. Seit der Ausbootung der Konservativen waren sie erst seit vier Wochen aus Lund heraufgekommen, waren noch ungenügend installiert, aber bereit, mir den Abend so zu beweisen, daß ich kein Stück eines gewählten schwedischen Mahles auch nur vermissen könnte. Man hielt bei den Staatsmännern Elsaß-Lothringen für die Achse der Probleme, mein Plan war anders, ich sprach nicht davon, ich zog mich um elf zurück und gab vor, sehr müd zu sein.
Ich ging über zwei Plätze. Der Mond ist tief über Stockholm geflogen, er geht über meinen Tisch am Fenster der Glasveranda im Grandhotel. Ich schaue in die Nacht und jeder Klang, jedes Instrument und jeder Gedanke kommt aus ihr verschwärmt und feuriger zurück. Aber ich denke nicht daran, spüre es kaum.
Um halb zwölf tritt an den Tisch der Türken ein bulgarisches Sujet, das irgendwie Beziehungen zur Gesandtschaft hat, aber als Türke gilt, kurz darauf der Franzose Boissont. Ich sehe nicht hin. Sie sitzen auffällig gerade, fast entfernt voneinander auf den Stühlen, reden aber mit gesenkten Kinnen, sicher fast lautlos.
Um dreiviertel zwölf kommt Siv.