Ihr erwachender Blick fiel auf die Spitze der obersten Pyramide. Die Sonne tanzte mit kleinen Flammen auf einem eisernen Ring, der um sie genietet war. An Seilen zwischen der Spitze und dem Gürtel hingen kleine Glocken und erzitterten zu Tausenden in der erfrischten Luft. Unten zogen die Rahaans aus den Toren.
Sie schloß die Augen wieder und die Träume der Nacht schaukelten über sie.
Nach zwei Stunden stand sie auf, unwillig über ihre Einsamkeit. Sie stieg die Treppe hinunter. Als sie den Turm verlassen hatte, nahten Menschen. Sie barg sich in einen Winkel. Weiter vorgehend, kam sie an die Allee. Sie war leer. Als sie zurückschaute, verwirrten sie die hundert Türme. Sie kannte den ihren nicht mehr.
Tränen traten ihr in die Augen. Sie bog aus der Allee und stieg hinab.
Überrascht trat sie in eine Halle mit Reihen von Säulen. Gesumm von Stimmen überfiel sie. Sie trat heraus aus dem Schatten und sah Hunderte Priester, die in dem Raume wogten wie Bienen. Sie sprang zurück, erschreckt, aber vor ihr standen drei andere, die eintraten. Erbleicht hielt sie.
Aber sie bogen um sie, ohne sie zu beachten. Da ergriff sie ein Schwindel, dies Gehen wie im Traum erschreckte sie. Niemand beachtete ihren Körper, sie schwankte. Ihr Blick fiel in einen Spiegel, das gab ihr die Sicherheit wieder, sie sah ihr wirkliches Gesicht.
Erregten Herzens, durch Hallen schleichend, traf sie den Abt. Er ging allein hin und her zwischen den Blumen, manchmal eine erhebend, hineinschauend in den Kelch und sie zurücksenkend in ihre Lage. Er schritt das kleine Stück hinunter, das von den Wänden der Pyramide eingeengt war und über der Gegend schwebte bis an den Rand. Eine Ruhe umgab diesen Ort, die kein Vogel, keine Fliege unterbrach.
Er blickte auf und sah sie, verstört noch in ihrem Gesicht. Mit drei Schritten ging er auf sie zu, die Arme ein wenig gebreitet. Tränen an allen Wimpern stürzte sie auf ihn wie ein Kind.
Als er den Garten verließ, folgte sie ihm willenlos.
Aus jedem seiner Blicke, in jeder Umarmung traf sie eine Macht, die eine Wolke um sie legte. Sie hing an ihm fest. Sie folgte seinem Schritt, seiner Bewegung. Nie verließ sie ihn. An jedem Morgen suchte sie ihn durch die Hallen, jeden Morgen fand sie ihn atemlos wie ein Wunder an einem anderen Ort. Sie schritt durch die Priester hin mit der nie endenden Bangnis. Wie von ausschweifendsten Abenteuern erreichte sie seinen Arm. Mit ihm schritt sie sicher durch die Menge, die ihrer nicht achtete.