Eine Abschrift war für den mißtrauischen Ludendorff nur Gelächter. Das Original hatte Beweiskraft. Zeigte, wie die Außenposten seiner Politik im Wind lagen, Konstantinopel nach der Trikolore lauerte, bulgarische Ohren nach London sich spitzten. Ich hatte für das Schicksal der Monate das wichtigste Papier, hielt es in der Hand.
Was war Almqvist dagegen? Das Papier brannte in mein Blut sich ein. Schicksale, Menschen, Entscheidungen wölbten sich aus ihm heraus, das Papier ging in die Zukunft. Mein Ehrgeiz öffnete die Akte der folgenden Wochen. Meine Handlung!
Ich schwieg, stellte mich vor den Spiegel. Wie kühl, entschlossen bin ich. Ich schwanke nicht, als es sich regt im Zimmer neben mir. Die Bedeutung des Momentes schneidet alles ab, es geht weit über die Rücksicht auf einen Menschen.
Ich opfere Almqvist. Ich kann ihm das Papier nicht geben. So geht der Weg. Ich lege die Lippen aufeinander. Ich bin am Schluß.
Gegen Mittag sah ich plötzlich deutlich, daß ich nur von mir aus empfand und beschloß. Die Einstellung war zu klein. Ich schämte mich trotz dem Stolz, der mich füllte. Ich fand mich häßlich, wenig unterschieden von den Schweinen der Spionagezentrale.
Dennoch lag meine Hand sicher und freudig auf dem Blatt Papier. Triumph.
Ich überlegte dann: wenn die Heeresleitung nicht glauben wollte, oder aus Schicksalszug nicht glauben sollte, half dann das Original, war dann nicht hinfällig, klein und dünn der Streit zwischen Papier und Papier? Der Zweifel fraß mich an, ich hielt ihm lange stand, er warf mich auch nicht um.
Aber ich verstand mit einem Male, daß gegen alle meine Klugheit und Entschlossenheit Mächte aufschossen, die eine andere tragische Macht als die helle Sicherheit meiner kleinen Pläne beherrschte, und wie weggeblasen und ausgespien diese oder jene Wendung mich machen konnte.
Ich sah aus dem Fenster. Stundenlang.
Dann ging ich hinüber, Almqvist das Original zu bringen.