Ihre Augen flattern vor blauer Nacht.
Ich füge sofort hinzu, ich kann es ruhig tun, ich spreche nicht die Unwahrheit: „Nein, ich sah keine sonst, nein, keine Frau habe ich gesehen, Siv . . . inte . . . inte . . . .“
Wir sitzen lange am Fenster meines Zimmers oben. Wir wohnen im dritten Stock. Siv ist halb entkleidet, in schönen plissierten Hosen und dünnem Leibchen sitzt sie auf dem Fensterbrett und streckt die Beine nach der Straße hinaus. Es ist gar nicht dunkel, wir hören das weiche, flutende Wasser.
Manchmal erzähle ich Siv. Dann sage ich manchmal: „Mittags sprach Per Geyer vom Schnee im Lappland, Didring schenkte mir ein Messer von seiner Expedition. In Saltsjöbaden die bronzene Tür müßtest du sehen, Siv, die Heiligen sind verrückt geworden darauf, du würdest lachen. Im Schlafwagen fuhr ein Engländer mit mir, ein alter Herr mit guter Wäsche. Wir waren beide aufeinander auf der Lauer. Doch eine Frau traf ich, Siv. In Särö. Ich weiß ihren Vornamen nicht. Ja. Die einzige Frau, die ich traf. Deine Haare riechen, Siv.“
Ich schließe die Jalousie.
Mir ist, ich trüge die fremde und stille Welt, die ich in mir spüre, irgendwie über diese Nacht in mich hinein, als ich Siv hinüberhebe in die weißen, dämmernden Kissen. Die Nacht ist lang und zwielichtig. Ich sehe alles vorüberrauschen, Tage und Wochen und Erinnerungen.
Ich bin nicht undankbar in meinem Blut. Ich stehe auf. Ihre großen Beine glänzen. Sterne überall über Stockholm. Unaufhörlicher Mövenschrei auch die Nacht. Ich ziehe den orangenen Schild der Jalousie auf. Höre Kungsträdgården brausen.
Ich schließe die Augen: Ist Mälaren nicht blau, Himmel nicht erschüttert von noch süßerer Bläue, ist nicht Fanfare das Läuten vom Turm des Södermalm? Ihre Haare sind weißblond, wie habe ich sie umarmt, Siv. Wie trägt mein Körper noch auf Jahre das Glück des ihren beruhigt im Blut. Auch dies verliert man nicht.
Ich wende den Kopf, ich lege ihn schief und fast bis zum Boden, daß ich ihren Kopf noch einmal sehe, die Wimpern, daß ich sie noch einmal ganz sehe, wie sie daliegt auf der Decke, Tochter im Namen Tors, so schön gestaltet der Leib, daß der Schlag meiner Sehnsucht sie umwarf. Ich bewege mich lange vor ihr, ich kann mich schwer davon trennen, sie anzusehen.
Es ist Unsinn, ich habe dumm geträumt, daß sie an Werktagen Schuhe verkauft in der Nordisca Companiet, es ist eine Farce, eine Lüge gewesen, die ich betrieb, ein affenhafter Witz. Ihr Vater ist Staatsrat. O wie sie in Humlegården mir zum erstenmal winkte aus dem Break, ein gelber Handschuh mit schwarzen Schnüren. Ich weiß es genau noch, ich belüge mich sicher nicht mit diesem Bilde, ein gelber Handschuh, Siv, ich trenne mich schwer von deinem Anblick.