„Ich liebe Ebba, Siv,“ sage ich plötzlich, „ich sage es nur, wenn du schläfst. Ich würde dich nie verlassen, Siv, nie ein Unrecht tun im Gedanken an dich. Du beglückst mich.

Jene ist Pein.

Ich weiß, Siv, ich besaß dich nie ganz, meine Freundin, auch in der tiefsten Umschlingung . . . wie keine Frau, die ich sehr geliebt, und bei denen das Unentwirrbare mich anzog und verstrickte. Darum liebe ich das Dasein, es gibt mir keine Grenze: Städte mit Wolken, Schiffe in Gefahr, Hauch der Obstbäume, die langen Chausseen, Jagd nach den Tieren, die unteilbare Wucht des erschütterten Himmels. Was willst du mehr, ich bin voll Sorge und Liebe für dich, Siv . . . lebe, Siv, daß Geliebtes dir fremd bleibt, du lebst dann gut . . .

Aber Ebba, Siv, ich sage es, wenn du schläfst nur, das ruft in der Nacht. Das preßt die Hände vor Zorn, das bringt zur Verzweiflung, man ringt lautlos die Hände. Das reißt tiefer hinab zu den Quellen des Bluts als dein leiser Aufschrei, dein dunkles Erstarren im jagenden Herzschlag. Ich habe sie nicht einmal umarmt. Nicht einmal dies Geringe.

Du bist schöner wie Ebba, Siv, ich gab dir mehr Beweise der Liebe wie vielen. Ich rede nicht laut von der Stimme, die kommt, die fordert. Aber sie kommt, Siv, sie kommt aus jedem Geräusch; dein Atem bringt sie, das Auto, das auf Engelbrechtsgatan stöhnt, der Mond, der Stockholm überfliegt, das silberne Tuten des Fischerhorns nahe Norrström . . . deine Haut selbst, die atmet — — — alles, besinnungslos dasselbe.

Schlafe weiter, Siv, höre nicht mein Aufstehn. Dank, Siv.“

Ich rede noch auf der Treppe, ich würde tagelang reden, wenn Siv so lange schliefe. Aber ich kann ihre wachen Augen nicht sehen. Ich habe sie zu sehr gehabt. Ich habe sie zu sehr gehabt, Siv.

Schon bin ich Stunden entfernt. Östergötland . . . Småland mit Wäldern . . . Skåne voll Wasserduft und Wiesen. Immer noch Siv. Ob sie lasterhaft war einmal, in Kaschemmen mit Matrosen geschlafen, Schuhe verkaufte oder als Ministerstochter auf rosanen Rädern durch die Parks gefahren, wie ist das eine so gleichgültig als das andere, aber wie ist alles gesammelt in einen Hauch, kaum Wort, kaum Bild, aber rührend und vollendet weggewandelt aus dem hellen Leib mit der stolzen Bewegung und unergründlicher Herrlichkeit und aus ihrer geheimnisvollen Blässe schon unbedingter dann hinübergewandelt und zum Bild dieser Stadt verwoben, verführerisch und bis zur letzten Sekunde im Griff lautloser Sehnsucht, spielerisch am Meer jene unergründlichen Pas tanzend, die unvergeßlich betäuben.

Ich steige in Lund aus, es ist Nacht. Die Straßen voll betrunkener Studenten. Ich drücke im Hotelzimmer gegen die Seitentür, sechs Koffer fallen um, ich lerne den kaukasischen Baron Uxkull kennen, der aus dem Bett springt, er hat einen Kopf, poliert und oval wie ein Straußenei, die kleinen überlegenen Elefantenaugen unter der bedeutenden Stirn. Sein esthnischer Diener macht Tee, wir trinken ihn mit Himbeer.

Mir ist, als schwebe alles zart und gefügig wie in einem gläsernen Kugelbauch, die ganze Welt. Ich bemühe mich lange, mich zu entschuldigen um die Störung, um das Mißverständnis. Die selbstverständlichsten Dinge bedürfen eines Eingehens heute.