Er hob sie auf zu sich. Sein Gesicht neben ihr vermischte sich in einem schönen Rausch gleich einem Fieber mit ihrer Wange. Sie aber im Gefühl, wieviel er um sie spiele, zitterte klein und schwach in seinem Arm.

Noch Tränen in den Augen fand sie ihn am Morgen. Angeschmiegt an ihn, bat sie ihn um Kleider, an sein Versprechen ihn erinnernd. Keine andere Sehnsucht sprach in ihr, als bei ihm zu sein, mit ihm zu wandern, sich anzuschmiegen an seine Knie. Das war alles. Es ging nichts darüber.

In dieser Woche zog er nicht mit den Rahaans. An einem Feiertage gab er ihr die Kleidung: dünnes gewässertes chinesisches Seidenzeug, Sandalen und die Schere, mit der sie die Haare über den Schulterblättern schnitt.

Als sie fertig war, sah sie ihn zurückfahren. Er gab ihr einen Spiegel. Nun glich sie ihm ganz im Aussehn auch des Gesichts. Nur die Falten fehlten von den Nasenflügeln zu dem Munde, ihr Auge schwamm mehr in unbegrenztem Nebel, während seines hochmütig dunkel starrte. Es hatte den gleichen Ausdruck bei ihm, nur an ihr erhielt es ein düsteres Flammen. Er sah sie an voll Erregung.

Sie neigte sich und küßte ihm die Hände, doch er legte sein Gesicht in die Flächen ihrer Finger einen Augenblick.

An jedem dieser Tage ging der Abt mit einem anderen Trupp. Sie verließen das Kloster durch die Tür, die Pförtner, Laien warfen sich hin vor ihnen.

In die Dörfer eintretend gingen sie von Haus zu Haus. In den Städten vergaßen sie keine Tür. Die Augen gesenkt, in Büchsen aus Blech empfingen sie die Gaben: Früchte, Reis, getrocknete Fische. Sie warfen es in einen blauen Karren, der sie begleitete. Fremde Bettler erhielten an den Toren ihren Überschuß.

Sie hielt sich neben dem Abt, sie tat keinen Schritt ohne ihn, wenn sein Blick sie traf, errötete sie in ihrem von der Sonne kupfern gewordenen Gesicht.

Einmal sprang sie zurück. Sie sah Saint-Loux vorüberreiten. Seine Schenkel hielten straff den Bauch seiner Stute. Der Fechterkörper saß gelassen im Sattel. Nur sein Auge zeigte Trübung wie von Tränen. Seinem Pferde die Sporen gebend ritt er rasch vorüber. Freude überkam sie, ihn so wohl zu sehen. Aber schon schwand er aus ihr.

Das Gefühl ihres kleinen Lebens gegen das große des Abtes aber wuchs mit jedem Tag in ihr. Sie besah ihn des Nachts. Auch sein Körper war schön, er hatte junge Jahre noch, schwankend zwischen den Dreißig und der Nähe der Vierzig, seine Jugend war geschont. Daraus aber, aus dem, was er entsagte, quoll die Stärke seiner Seele auf sie, daß sie vor Staunen oft sich selbst vergaß. Je mehr er aber in seinem Rausche auf sie vertraute, je ungestümer seine Inbrunst an ihr aufschlug, als suche sie durch ihren Leib erst die Verbindung mit einem größeren Blut als dem ihren, um so tiefer schwankte sie, seiner Liebe kaum würdig, es nicht ermessend, daß er sich so in sie ergoß.