Da gehen perlmutten graue Nebel und ballen sich starrauf vor den Mond wie eine Armee. Das Meer blinkt ausgetrocknet, metallen und hart. Die Dünen haben den Atem der Traurigkeit aufgenommen und tragen sie mit dem Reichtum einer dunklen Melodie davon. Das ist, wie man lebt, den Kopf in den Händen.
Da sprengt Kerstin quer durch einen Traum auf ihrem weißen Grey Lad. Man birgt die Augen in der Einsamkeit. Man kapituliert nicht in der schmerzlich dampfenden Landschaft vor dem nackten Blitz. Das hohle Schweigen des Windes hat die Erscheinung an den silberstarren Horizont getrieben. Die Nacht hat sich mit einem verhaltenen Ton dunkel ausgebreitet, die Ruhe hat sich an das Fenster geschmiegt. Das herbstliche Klirren der Brandung dämpft das erlöschende Fieber: fort von den Leidenschaften, die leer machen und verzehren.
Da tritt Kerstin aus dem Geruch des Bodens, ihr Bild steigt über die schrägen Gläser der Türen und, hinaustretend, überfällt ihr Wesen einem, wie ein Nebel durchdringt sie das Blut, unerschöpflich. Es saugt einem voll, grenzenlos, wie einen Schwamm voll ihrer Gegenwart. Das Meer ist blaß geworden. Die Dünen zittern flötenhaft erregt: man geht von neuem aus der Einsamkeit hinaus.
Man läßt den Tiefsinn zurück. Tage, Stunden, Wochen, fallen ab gegen den kristallenen Himmel, die in Traurigkeit sich tief erfüllten. Was war es?: Glück.
Man hat das Meer nun nicht mehr zum Anstarrn. Doch man stirbt nicht vor Trauer. Man stirbt auch nicht vor Freude.
Aber Kerstin zu sehen nur, welch schöne und bittere Verführung!
In Schwetzingen fand ich ihre Spur. Den Sommer war sie in Schachen. Die schweizerischen Berge kamen am Abend mit Lichtern über den Bodensee geflogen. Sie hatte gegen den Herbst in Bocklet gewohnt, das wies in seiner Verborgenheit auf Männer um sie. Die Barockfiguren des alten Parks begannen lang und zärtlich mir nachzuschreiten, als ich im Wagen nach Kissingen hinüberfuhr. In Bamberg sah ich durch jedes Mittelalter sie kommen, von den Portalen und Kirchen herunter sich neigen. In einem Landhaus bei Bayreuth kreuzte ihr Name sich mit dem eines Mannes. Obwohl unsere Leben sich voneinander gelöst und entfernt voneinander trieben, traf es mein Herz mitten auf die Brust.
Ich quälte mich weiter. Von nun ab gingen die beiden Spuren zusammen, ihre Gestalt zog immer tiefer in den Ausdruck des Mannes hinein, der ihr Leben teilte. Ich begann zu leiden. Zurück? Wozu in die Traurigkeiten, die verbittern mit Einsamkeit?
Ich beginne im Gegenteil zu leben an dem Widerstand, mich zu entzünden mit einer melancholischen unerregten Leidenschaft, die nur sehen will und überschauen kann. Man stirbt auch nicht aus Leidenschaft.
Ich habe die Tagbezeichnungen vergessen, werktags abends kam ich ins Gebirge, fuhr an das Schloß, sie war verreist für eine Tour. Man erwartete sie. In der Dämmerung ließ ich lenken und besuchte Lil Pax. Ich ließ den Schlitten angespannt, denn sie war im Begriff in ein Sporting-House zu fahren, die Glocken schellten.