Lil Pax fuhr in meinem Wagen. Der Tod hatte Quartier in ihr aufgeschlagen. Die überschöne Schlankheit der Hände und das fiebrige Feuer der großen ruhelosen Augen schienen den Knabenkörper mehr in den Ruf des Erlöschens zu ziehen als in das Muskelgekrach.
Als wir eintraten, ging der schwarze Boxer Bambula oben an den Ring und nickte uns zu. Man massierte ihn darauf, der auf den Seilen lag, und führte ihm Luft zu, während der Saal in Erwartung der Schläge ächzte. Während der Time-Keeper schellte, der Unparteiische pfiff, Bambula sich aufblies, der kleine Ukrainer mit Ballettschritten ihn angriff, der Neger ihn Uper Cut nahm und niederhieb, sah ich dahinter das Meer, aufgebäumt. Grey Lad preschte davor mit Kerstin.
Das zweite Matsch erst brachte den Saal in Verwirrung. Aber während Frauen auf den Stühlen dem Neger zuschrien, die Männer wüteten, Bauernburschen die Tirolerhüte schwangen, Bambula gleich einer Schnake den Gegner Clinch nahm, lachend Sawate erhielt und mit grandiosem Bak Spring ihn in die Herzgrube erledigte, war ich schon tief ergriffen von der Kühle der Frau neben mir.
Lil Pax war unerregt geblieben. Wir fuhren im Galopp über die Felder zurück. Mit erschreckender Deutlichkeit kam ihr Wesen aus der schwülen Ekstase des Saales mit einer überlegenen Deutlichkeit und einem gewissen hochmütigen Lächeln auf mich zu. Sie hatte die geheimnisvollen Beziehungen des Verzichtes früher als alle durchstoßen und von der in ihr reisenden Nähe des Todes eine Ironie um den Mund erhalten, der sie allem entfernte, obwohl sie nichts floh.
Das Verzückte war hinter ihr in schwärmerischen Bögen abgeschnitten. Sie hatte jene Größe, die sich nicht entschied und weder das Gesicht weg von dem Dasein wandte und es verfluchte, noch in Betäubung stürzte. Sondern sie ließ, allem hingegeben und allem entfernt, das Dasein, geliebt und unbegehrt, vorüberfließen, während ihr Mund in schmerzhafter Blässe nicht zuckte. Welches Blut lag dahinter abgedämpft, wenn sie gütig nickte! Welcher Sprung, im Haß, federte und ward nicht getan!
Ich neige mich über ihre Hand.
Sie erkrankt, heftiger. Ich werde nicht reisen. Ich richte mein Gesicht nach dieser Frau. Sie beginnt ihren schicksalhaften Zug, tief und weit entfernt, über mein Zugewandtsein.
Ihr Leben beginnt über meinen Horizont zu laufen, ruhig und gütig, ohne deutliche Spur, eine Sonne von Westen her immer der gelben und roten Sonne entgegen, dunkler und unsichtbar, aber im selben Kreislauf.
Damit ist mein Leben eingezeichnet.
Was folgt an Dingen, die Blut, Tag, Rausch bestimmten, ist anders, diesem Abgewandtes, vielleicht nicht wenig, aber nicht dies. Welche Bedeutung es hat in meinem Dasein: ob diese Frau das Entscheidende ob das andere, wer durchschaut das Schicksal? Vielleicht weiß ich es, wenn mein Blut langsam rinnt und meine blonden Haare so hell geworden sind, daß das Urteil bis an die Grausamkeit vordringt. Wer kennt sein Herz? Man muß sich unterwerfen. Stolz ist ein Spielzeug. Bebauen wir unseren Garten. Man lebt sich schon hinein in sein Schicksal.