Ich habe die Fahrt nach Kerstin angetreten. Da liegt nun das Leben zum Anstarrn. Der Kreis öffnet sich. Da sind nun die Tage, Wochen, die Leidenschaften, die hineinreißen in ihren Bann und entzünden und verzehren. Haben sie mich erreicht einmal, schwinge ich sie schwärmerisch wie Vögel auf. Ich bin dabei. Das ist eine Freude. Hallo. Ich lebe in Begeisterung. Welche Woche!

Habe ich in dieser Woche nicht zwischen blaugespannten Bergzügen Venus und Jupiter in bengalischer Konstellation gesehen? In die flamingone Abendröte den Hausberg aufgereckt wie die Begehrlichkeit einer wilden Sau? Ist die Natur nicht mit Lawinen und sausenden Gletschern aufgezuckt mit meiner Bewegung? Hat eine sizilianische Frau nicht unter den Kronleuchtern ihre Rasse aufgezaubert? Habe ich nicht das Blut der silberblonden Ritterstad auf der Lippe gespürt, der eine Katze die Schneehaut aufgerissen? Haben die seidenen Fahnen, als wir im Bob passierten, sich nicht gegen den Wind alle huldigend auf diese schöne Frau mit dem lachsfarbnen Mund gerichtet? Schossen wir nicht aus dem Nickelglanz des Starts herunter auf dem Bauch im Rodel, durch die Kurven auf den Hüften hinunter uns wiegend wie im Liebesspiel?

Welche Woche, Lil Pax, während Sie lagen! prall, festgefüllt, aufgestäubt. Wie bunt. Doch was ist es am Ende?

Es bewegte sich nur. Aber . . . . alles Getane, alles Erlebte kreiste um Sie, Lil Pax. Das ist nunmehr von allem die Richtung.

Ich sehe Margit, Ihren Liebling. Aber ich erblicke sie nur in der Verbundenheit auf Ihr Wesen hin, gleichwie mit der unentziehbaren Bewegung der Sonnenblumen, die dem Gestirn mit ihren Mähnen folgen. Es gibt keine Frage darüber. Das ist Bestimmung.

Ich sehe Margit. Ihr Hund heißt Lorm. Ihr Lied „O Dolly.“ Ihr Herz ist voll von schönen Schauspielern, von Coquelin, Cyrano, Rolla, von melancholischen Pianisten, im Lyon reitenden schwarzgeschnürten Offizieren, von Pré-Catlan, von Speisen bei Spiegeln mit Kerzen, von Bootfahren am Abend, von Lido, von Sand und Hitze, von einem Mann mit Namen Claessens, von irgendeinem schönen Capitaine Ettore Cosomati, von einem kriegerischen Colonel Ugolino, von Melonen, Zirkus, Schokolade mit Zitronen.

Ich fahre mit Margit, während Sie krank liegen, zwei Tage südlich. Ich kaufe ihr gelbe Calvils, ich zeige ihr Innsbruck. Ich trinke mit ihr den serbischen Slivovicza. Ich teile mit ihr den Abend, der mit den schon südlichen Springbrunnen verzaubert, und die Honigdämmerung unter den Schneebögen der Hügel und die lauen Schatten der Madonnenlauben unter dem Golddach. Ich lasse sie Preise verteilen in der Franziskanerkirche an die Statuen, sie teilt es dem provenzalischen König zu, dessen Erzbrust hundert Amouretten überspielen, der den Visierschnabel frech, gigantisch, der Unerschütterliche, Gott ins milde Zinnoberlicht seines Auges hinaufhebt. Es ist ein rotseidenes Strumpfband, was sie als Preis austeilt, und gibt ihm ein glückliches Aussehn.

Ich jage sie durch die Begeisterung bis in die Müdigkeit. Nun laufen die Berge der Bahn wieder bei unserer Rückfahrt entgegen. Ich sehe sie an gegenüber, wie sie schläft. Mit zerfleischten Rücken sinken die Berge in schwarze Seide. Flammend mit Stierblut kreist der Geier des Gestirns noch einmal über die Grate.

Sie träumt von Pesaro, von einem Teich und ihrem Lackhut als Kind. Ein Röntgenologe versichert, sie habe das kleinste Herz. Bäte ich nur, sie vermachte es mir. Es stünde auf meinem Tisch, kleiner als die Zunge des Gordon-Setter. Sie wacht plötzlich auf, hinein in Begeisterung. Ich spüre ihren Atem, sehe sie herübergleiten. Ein schönes Geschenk der Stunde. Ich versage sie mir ohne Bemühung. Warum?

Ihr Dasein ist zu nah und zu dicht auf das Ihre gerichtet, Lil Pax. Sie ist nur etwas wie eine zärtliche sekundenlange Laune, die Sie verloren. Die Bewegung dieses Mädchens umkreist Sie zu nahe. Was ist ihre Hüfte gegen das Maßlose Ihres Todes.