HELENE: Ich wünschte, Sie verließen mich in derselben Sekunde.
KEAN: Ich werde Sie verlassen, wenn ich, nicht, wenn Sie es wollen.
HELENE: Den Brief. Liest, hält ein, weicher, beruhigter: Sie haben recht.
KEAN: Versprechen Sie mir, den Brief fertig zu lesen.
HELENE: Ich las.
KEAN: Die Rückseite ist auch beschrieben. Ich fürchtete, meine Stimme würde nicht reichen, diese Minute zu ertragen.
HELENE: Die Rückseite ...
KEAN nimmt ihr das Papier aus der Hand, hält es vor sich: Ich werde es Ihnen lesen, Gräfin, ich kann es Ihnen lesen. Ich lese rasch, Gräfin, es geht um jede Seligkeit; ich habe eine Stunde seit Monaten gesucht, die eine Dame Ihrer Position mir geben kann, ohne sich zu kompromittieren, ich gäbe mein Leben für diese Stunde, es sind nur zwei Minuten jetzt, sie vorzubereiten, Gräfin, zwei zufällige Minuten, zwei noch vor einer halben Stunde ungeahnte Minuten; auch sie genügen, aber ich bin kurz. Lassen Sie Ihren Wagen vor dem Theaterbüro halten, nehmen Sie ein Billett, winken Sie mit dem Fächer. Der Billetteur ist mir ergeben. Sie kommen in Schwarz, mit einem Schleier. Durch einen geheimen Gang kommen Sie in meine Loge. Ich werde es Ihnen ins Blut setzen, daß Sie es nie vergessen ...
HELENE: Halt. Ich habe genau zugesehen. Sie haben gelogen. Es stand nichts auf der Rückseite. Das Papier war leer.
KEAN: Als ich hierher ging, hatte ich nichts im Sinn als das Schicksal einer Unschuldigen.