Ihr Blick fiel. Sie wurde bleich.
Von den Strömen seines Ich durchschwellt erhob er die Hände nach ihr: „Liebe mich“.
Seine Stimme schuf ein Schweigen, in dem die anderen erstarrten und Kalekua niederfiel. Er sah ihr Gesicht, als er die Königin auf seine Arme legte, versteint und still zu ihm aufsehn von der schmutzigen Erde. Aber so sehr kreiste dieses Erleben in ihm, daß es seinem Bewußtsein vorbeischwamm wie ein rascher Mond.
Er nahm die Königin hoch, küßte sie und trat mit ihr in das Wasser, das bis zu seinen Hüften stieg. Dann wurde es seichter. Er bog in den Seitengang und kam in ein Nebengewölbe, das voll stand von kleinen Geräten, Waffen und Figuren aus Jade. Sie aßen grünes Harz zusammen, das ihre Adern tosend erhitzte und er küßte sie, die verging.
Als am Morgen sein erwachter Blick gegen das Blau des Horizonts prallte, stürzte das Bild Kalekuas von allen Wänden gegen sein Gesicht und verstörte sein Gefühl.
Er richtete sich auf, bis er kniete. Er sah auf die Königin. Sie war schön. Ihre Lippen lagen fest zusammen und zitterten. Er verglich ihre Glieder. Er berührte ihr braunes Haar und den schmalen Ansatz des Augenschlitzes, er fuhr über ihre jungen Brüste. Er hielt die beiden Weiber gegeneinander. Aber Kalekua stieg.
Er stand auf, trat bis zur Öffnung, wo der Berg hinuntersauste, schwang die Arme, sah noch einmal auf die Königin und ging. Das Wasser nahm ihn kühl auf. Am anderen Ufer schüttelte er sich wie ein Hund, die Tropfen spritzten gegen die Mauern. Er wußte, daß er eine große Höhe erlebt habe, aber daß er sie wegtun müsse aus der bleibenden Erinnerung. Es war nicht viel, eine Nacht aus dem Leben zu streichen. Er schob sie zurück.
Im Gang standen in Nischen große Figuren aus Holz und Stein. Sie hatten aufgeblasene Bäuche und grüne Augen.
Am Ausgang lag Kalekua, zusammengekrümmt. Sie schlief. Tau hatte ihr rotes Haar verwirrt und feucht geballt.
Er bezähmte sich. Er stürzte nicht auf sie. Er wagte nicht sie anzureden. Er sah sie lange an und ging vorüber.