Er versuchte noch eines: suchte tagelang die Königin, schrie ihren Namen in die Täler. Aber fand sie nicht.

Kalekua sah ihn hart an, als er eintrat und wich die Nacht aus dem Haus. Er aber saß in der Platane und erwartete den Morgen, in dem seine Liebe sich noch tödlicher vertiefte.

Oft sah er sich um und erstaunte sekundenlang. Denn was ihn sonst trieb, die Küste, die Wellen, die Flut der Palmen, was seinem Leben und Dasein Ausgleich gegeben hatte und seine Seele tiefer ernährt und bewegt hatte, wie jedes vorherige Dasein — es schrumpfte zusammen vor dem Gefühl zu Kalekua, das alles übertraf und nichtig machte neben sich.

Seine Liebe schwoll an, daß er sie nicht mehr in dem Gefäß seines Wesens halten konnte, und daß sie ausströmend Kalekua adelte, ihren Gang erhob und ihr Dasein ins Unbegreifliche steigerte. Seine Umschlingungen wurden heftiger. Sie begnügten sich nicht mehr mit dem Erraffen des letzten Menschlichen in ihr, das sie ihm in wunderbarem Rhythmus entgegengeschlagen hatte, und mit der an ihrem Leib abschwingenden Glückseligkeit gleichgefühlten Daseins, seine Umarmungen vielmehr erstiegen eine Höhe, wo er ihr irdisches Dasein nicht mehr erkannte, sondern sie, dies alles zurücklassend, nur noch erkannte und empfand verbunden und anheimgegeben über das Erkennbare hinausgehenden Räuschen und Gefühlen.

Ihr Blick erschauerte unter seiner Umschlingung, die furchtbar sich über ihrer Seele erhob, die nur in Sorge und Abwehr gespannt war. Er jedoch küßte ihre Füße, lauschte ihren Atemzügen und erschrak, wenn ihr Puls sprang.

Voll fessellosen Erlebens umgab er ihr geringes Dasein mit Inhalt. Er folgte ihr in der Entfernung, verließ sie das Haus. Er setzte sich neben sie, wenn sie die Augen furchtsam gegen die Höhe des Berges erhob. Nachts beugte er sich über ihr Bett und sah entferntes Licht des Mondes darübergehen.

Er suchte eine große Muschel und hielt sie lange vor ihr Gesicht, weil die wechselnden Spiele in der Farbe des Perlmutter ihre Züge zum Lächeln zu vermischen schienen.

Kalekua ging jeden Tag durch die Täler, die Küsten und die Bäume. Sie sah sie nicht. Ihr Auge saß nach innen gedreht und lauschte auf Ungeheures, das sie unsichtbar umscholl.

Er aber war so voll von Liebe, daß er die Insel nun (die ihn früher beseelte) damit umfing, so daß der Geruch des Meeres, das Köstliche des Horizonts, Sturm und Erschwanken der Palmen wie aus seinem Leben herauszuströmen schien.

So gewaltig wuchs seine Liebe über das Land, dessen Sehnsucht lange vorher über ihm stand, daß, wenn er es gewollt hätte, die Insel begonnen hätte, während die Winde schwiegen, sich in Kreisen um sich selbst zu drehen.