Kalekuas Gefühl aber wandte er damit nicht.
Ihr wuchs alles, Luft und Erde, zusammen zum Bild der Königin, die mit gierigen Lippen Rache heischte. Und auch den Geliebten zog es in diesen Schlund. Sie bekam, von dem unabwendbaren Schicksal bedroht, eine Ergebenheit, die ihr Gesicht bleichte und im Erwarten des Schreckens leuchtend machte wie eine Qualle.
In einer Nacht erscholl der Berg hinter ihrem Haus, ein Riß zog sich durch die Mauer. Die Klippe barst zur Hälfte ab und raste ins Meer. Die andere trug schaukelnd ihre Hütte. Ein Donner warf sich aufstürzend gegen den Himmel.
Kalekua erwachte, und aufschreiend erhob sie sich, glaubend, daß durch die vertausendfachte Stimme die Königin sie rufe. Sie stürzte zur Tür.
Aber Jean François ergriff sie bei der Taille und hielt sie. Sie sah sich um und blickte ihn an als wie ein schlechtes Tier. Ihr Mund wurde zornig. Sie schrie:
„Laß mich!“ — und als er den zuckenden Leib fester faßte: „Die Königin . . . die Königin . . .“ Dann hob sie die Hand und stieß ihn unter das Kinn.
Aber sie machte seine Liebe nur größer, und er band sie auf das Bett vor Sehnsucht. Der Boden beruhigte sich, und gegen Morgen beruhigte sich Kalekua, als er sich über die Zitternde neigte und seinen Namen sagte. „Rono“, sagte er.
Als sie schlief, band er die Schnüre ab und ging hinaus. Der kalkweiße Kegel des Bergs hatte eine tiefe Wunde. Der Krater dampfte leicht. Er lag in der gleichen Höhe wie sein Haus, und über das Riff verband sie eine Felswand miteinander. Das Meer war grün, wo die sausende Lava sich hineingebohrt hatte. Weiße Fischbäuche blitzten unzählig herauf. Er setzte sich vor die Hütte.
Gegen Mittag aber ward der Schreck übermächtig in ihm und warf ihn nieder. Er stieg über den schmalen Grat zu dem Vulkan.
Da am Rande schleuderte es ihn auf die Knie. Sein Gefühl, ausquellend unendlich, stieg uferlos und stieß an Gott. Das Meer verfärbte sich weit hinaus fast gelb und silbrig zu einer unbewegten glanzlosen Fläche, auf der zwei Kanoes wie gefroren schliefen. Er hob die ganze Inbrunst zu Gott hinauf und herrschte ihn an, daß drüben über der kleinen Bucht Kalekua aus der Hütte heraustrete und gelöst von ihrer Angst und zurückgeformt zur Liebe ein Lächeln unter den Augen trüge.