Aber Gott war taub.
Der Tag ging. Kalekua schlief bis in die Dämmerung. Dann erwachte sie und blieb still sitzen.
In der Nacht begann der Boden zu schwanken. Mond schien. Da stand sie auf.
Ihr Gesicht glich dem ihres ersten Tages, als ihm der Trogu noch die Seele entzückte, die jetzt ganz nur Liebe war. Sie strich ihr Haar, das glühend den Rücken hinunterbrannte. Dann nahm sie die vier weißen Federn und tat sie in ihr Haar. Aber eh sie ging, zog sie aus dem hohlen Balken am Eingang die Kette der Haifischzähne und küßte sie.
Es war fast hell. Er sah ihren reichen Leib, der straff und zart nach den Brüsten hinaufwuchs, sich mit den spitzen Zähnen gürten. Sah den Schwung ihres Beines, die Achsel, die Biegung ihres Nackens, die er mehr liebte als wie Gott. Er sah alles. Er weinte nicht. Aber er hatte nicht die Kraft, sie zu halten.
Er nahm das Schicksal in sich. Er konnte nicht höher als Gott.
Plötzlich ertoste der Berg. Da sprang sie hinaus. Sie lief. Einmal noch hörte er ihre Stimme. „Sie ruft,“ rief sie.
Da hielt es ihn nicht mehr. Er lief ihr nach. Aber sie war zu weit.
Da warf er sich mit dem Rücken gegen die erdröhnende Hütte. Er sah sie über den Halbkreis des Grates über der Küste her hinlaufen, schmäler und blässer werdend im entfernteren Monde und beschwingt voll Licht weitereilend wie von Unirdischem getragen gleich einer silbernen Tänzerin in den Krater verschweben.
Er aber hatte, tödlich verwirrt, noch nicht die Kraft, ihr zu folgen. Noch jagte ein Strudel von Gefühlen sein vergangenes Leben über ihn hin. Aus der Kette der Gesichte warf sich eines vor ihn, an das er nie mehr gedacht hatte, und über ein Bild, das sich unter seinem Bewußtsein formte, schluchzte er, sich wie an ein Letztes daran klammernd, daß es ihn entwirren solle: