Nach Tagen erst, weil er elend war, besann sich sein Hirn auf ein Geschenk für sie. Es schien ihm schön für sie. Er mußte es stehlen. Aber kein Stern dünkte ihn zu hoch.
Da er Geld zu den Vorbereitungen nicht besaß, verkaufte er zwei dem Chor entnommene goldreiche Kerzen wieder am Portal von Notre Dame einer inbrünstigen Frau und trug den Erlös in seine Taverne. Aufgescheucht von seinem Gelächter, tranken sie seinen Wein, hörten sie seinen Plan, gierig die Profile, die Augen funkelnd, ihn auszuführen.
Sie brachen mit Fackeln auf. Villon schritt ihnen voran. Barral stieß vor Wonne sein Messer in eine Tür. Die Gassen schwelten von Dunkel. In der Rue des Saints Pères stand vor einem öffentlichen Haus ein Mönch, der mit den Fäusten das Tor verbeulte. Sie gingen, ein Lied beginnend, das ihn verhöhnte, im gleichen Paßschritt auf der anderen Seite vorbei, und ihr Gesang dröhnte erzen durch die lange Gasse.
Der Mönch aber kam über die Pflastersteine herüber, stemmte die Fäuste in die Hüften und begann mit normannischen Worten zu keifen. Er war groß und breit und die Augen brannten rot. Sie gaben wenig Acht auf ihn und zogen singend weiter. Einer der letzten stieß ihn auf die Brust mit der Fackel, daß er, von Funken umsprüht, in eine Pfütze fiel. Aufjagend warf er sich auf den Angreifer, schrie, aber die anderen lösten ihn los und warfen ihn prallend ins Dunkel zurück.
Die Dirnen winkten aus den Fenstern und hielten Windlichter auf die Gasse, aber Villon erhob aufs neue den Gesang und schritt weiter. Wie die übrigen begannen, ihre Stimmen der seinen zu verketten, brach der Mönch noch ein letztes Mal aus der Torflucht und hieß, ihn erkennend, Villon einen Säufer und schlechten Dichter.
Villon zog den Fuß an, ihn beiseite zu treten, ließ es dann mit einer Grimasse und sang weiter. Der Mönch aber stieß einen Pfeil in seine Scham und rief: „Sohn einer Hure.“ Da erbleichte er, schwankte und warf ihm sein Messer in den Leib.
Während der Gesang wieder aufschwoll und dumpf die Gassen, hinuntergleitend, erfüllte, lag der Priester auf der Erde, schrie und stieß Arme und Beine in die Luft und goß langsam sein Blut in die Gosse. Die Weiber im ersten Stock des Hauses hängten sich weit aus den Fenstern und sandten ihm Einladungen hinunter.
Der Gesang war bis zur Seine gekommen. Villon betrat mit seinen Leuten ein Boot und fuhr dunkelrot beleuchtet den Fluß hinunter.
Villon sagte: „Ich habe kein Blut an mir,“ und wusch sich zufrieden die Hände, denn es schien ihm geringer als der Tod einer Krähe, einen fetten Mönch zu erschlagen. Plötzlich löschten alle die Fackeln, indem sie sie zu beiden Seiten der Kahnwände ins Wasser stießen, es zischte, weiße Blasen stürzten in die Höhe, und langsam legte sich das Boot ans Ufer der königlichen Gärten. Sie überstiegen einen Zaun und verteilten sich nach allen Seiten. Hinter Statuen und Bosketten lagen bald alle auf der Lauer.
Villon schlich allein vorwärts. Der Wein sauste durch sein Blut, aber er fand die Richtung. Barral folgte ihm. Ein Truthahn neben ihnen begann zu schreien. Ärgerlich drückte ihm Villon den Daumennagel in den Hals, denn er hatte es nicht auf das Tier abgesehen, das sich grundlos in den Tod hinein exaltierte. Es geht Sterben ohne Sinn von mir aus — dachte Villon, indem er die Tür zu den Tierställen aufbrach.