Aus weißem Stroh sahen ihn im Dunkeln unermeßlich und still glänzende Augen an. Unter rasch entzündetem Licht breitete sich das sanfte Fell einer Antilope vor ihnen aus. Villon löste mit der Linken die Schellen aus ihrem Geweih, während die andere über den Rücken streichelte. Dann nahm er behutsam das Tier in den Arm und trug es ins Boot.

Sie fuhren zurück und stiegen am anderen Seineufer aufs Land. Hinter dem Louvre hörten sie das Aufklappern der Lanzen von der Wache. Sofort brachen sie in Gesang aus, Villon mit dem Tier in der Mitte. Auf dies furchtbare Signal hin verschwand der Tritt der Wachen in der Ferne. Noch eine Weile gingen die Leute Villons taktmäßig im Paßschritt.

Dann verstummten sie, Villon ging allein vor bis an ein Schloß, öffnete das Tor und trat in einen Garten. Auf dem Rasen ließ er sich nieder, schlich bis an die Mauer, umkreiste den Flügel und band sein Geschenk, die Antilope, mit langer Kette an einen Rosenbaum auf der Rückseite, damit am Morgen nach dem Erwachen der Blick der Herzogin sich eine Sekunde sanfter färbe und kleines Glück sich über den Park ergieße.

Dann kehrte er um, sie zogen zurück und stiegen in eine Kellertaverne, wo sie würfelten.

Am Morgen zog eine Kompagnie auf, umstellte das Loch und fing einen nach dem anderen der Herauskommenden ab.

Villon ward feig und fiel auf die Knie, als er sich gefangen sah. Sie schlugen ihm mit den Schäften über den Kopf und brachten ihn verquollenen Gesichts in einen der drei Türme. Er fiel die Stufen hinunter, die Wände waren feucht und überschimmelt, es gab kein Licht.

In den Tagen, die sich zu Wochen zerdehnten, die er hier lag, bekam sein Auge Macht über die Dunkelheit. Er erkannte den Wechsel des Tages und der Nacht und die Bewegung des kleinsten Ungeziefers an der Wand. Er sah Kreise und Strudel von blauem Licht, die Stille bekam Gewicht und sauste über sein Gehör und er versank in Zustände, die zwischen Schlaf und Wachsein lagen. Ihm wuchs ein Bart, indem sein Fleisch zerfiel. Ein pilziger Ausschlag sammelte sich auf seinen Knien. Er dachte an nichts. Das Dasein ohne Welt, das ihn weich dahintrieb, erfüllte ihn ganz.

Da sprang die Tür auf, zwei Männer mit Lichtern kamen. Hinter ihnen stand ein Herr in grauem Kleid. Er beugte sich neugierig über Villon. Hierauf ließ er die Laterne neben ihn stellen und nickte schräg nach oben mit dem Kopf, worauf die Männer lautlos ins Dunkle der Tür zurücktauchten.

„Man interessiert sich für Sie.“

„Sie?“