„Nein . . .: man.“
Da erhob Villon den Blick genauer und erkannte den Herzog von Ventadron und verbeugte sich tief und wurde feig und zitternd.
„Sie werden wohl verurteilt,“ sagte der Herzog leutselig; „obwohl es mich ergötzt, die Sache mit dem Klerk, geschieht hiermit Gesetz. Aus andrem Grunde aber möchte ich mich für Sie einsetzen. Kennen Sie den Abt vom St. Romacle? Ja?“
Villon, der den Ruf des Abtes kannte, nickte und zog ein schwaches Lächeln über sein bebendes Gesicht.
„Ich möchte ihn sehr kränken, verstehen Sie. Er hat ein Haus mit einem Olivengarten, daneben grenzt mein Gebiet. Da steht gerade ihm gegenüber ein alter Bau mit vielen Zimmern. Sie kennen die Frauenviertel von Paris?
Villon nickte.
„Sie werden wohl verurteilt. Ich aber möchte in diesem Bau ein Frauenkloster aufschlagen, wo jedem Mann freier Eintritt ist mit Gesang und Wein. Wollen Sie?“
Da Villon der Plan sehr gefiel und seine Augen funkelten und er zusammenzählte, wen er dazu gebrauche und welche Tavernen er leere, erschrak er im Bewußtsein, daß der Fordernde der Gatte der Herzogin sei. Er fragte sich, ob dies eine Falle sei, doch da er den Herzog kannte als edel, tapfer und einen großen Verführer der Frauen, stieß er mit dem Fuß auf vor Freude und sagte:
„Ich kann und will.“
Aber im gleichen Augenblick verfinsterte sich sein Gesicht und zerfiel im trüben Schein gelben Lichts der Laterne, denn diese schlechte Sache, die er gern täte, lag zu nah dem Gefühl für die Herzogin und in Scham zergehend, lehnte er wieder ab.