Villon fiel auf die Knie und betete inbrünstig zu einem Bild, das, aus seiner Seele heraussteigend, sich durch die blauen Flammenkreise in das Dunkel hinabneigte, Tränen stürzten ihm im Jubel aus den Lidern. Dennoch schien es ihm zugleich, als ob er sich zerfleischen solle über den Wahnsinn, die schöne Einrichtung des Dirnenklosters ausgeschlagen zu haben.

Nicht mehr rauschte die dunkle Luft um sein Gehör. Zwischen Inbrunst und Schmähung schwankten die Tage. Dennoch kam an einem Morgen die Nachricht, daß er begnadigt, aber verbannt sei. Eine halbe Stunde darauf verließ er den Turm.

Zwei Wächter gingen neben ihm her. Ohne Pause schritten sie bis zum Tor. Sie gaben ihm ein Papier. Er war auf fünfzig Lieues des Umkreises der Stadt verwiesen. Dann fluchten sie, lachten und ließen ihn laufen.

Und er lief wie ein Hase in einem entsetzten Bogen in die Landschaft hinaus, bis ihm der Pulsschlag des Herzens in die Gurgel sprang. Dort hielt er sich an einem Baum. Es war ein junger Birnbaum und schwankte unter seiner Last.

Er aber sah zitternd an dem schlanken Schaft hinauf, erblickte die gründunkle Krone, sah den überwältigenden Himmel, streichelte den Baum und fiel auf die Erde vor Übermaß.

Am Mittag ging er weiter. Die Sonne lag eine lange Straße hinunter überhell. Auf den Feldern stand Korn und rauschte. Vor der unerlebten Herrlichkeit der Landschaft ergriff ihn um so tiefer die Wut, daß die Stadt ihm versperrt sei. So rasch lief sein Herz im Kreis. Er sah sich an, wie er so zerrissen dastand, ein Bach wies ihm stechende Augen in kalkenem Gesicht und wildes Bartwerk. Er wankte auf der Straße. Ein Strolch lachte über ihn, daß es schallte. Aus einem Bauernhof sprang ein Hund, der wütend in die leblose Gegend hinausbellte.

Er hob einen Stein. Aber er hatte nicht viel Kraft mehr.

Am Abend sank er vor Erschöpfung in einen Graben und schlief. Zwei Tage lief er sinnlos weiter. Als er am Mittag des dritten an einen Weinberg kam, in dem ein alter Mann mit stillem Gesicht Wasser goß und Spaten führte, blieb er neidisch stehen, Arbeit erbittend. Er erhielt sie. In wenigen Wochen war sein Gesicht braun und bartlos, das Auge erfrischt. Enges Kleid umschloß den gespannten Körper.

Eines Nachts schlich er an die Grenzen von Paris zurück. Doch schon ehe er verbotenes Gebiet betrat, erhob ein Kleriker Geschrei, der ihn erkannte. Er kehrte um. In einer Absteigschenke der Landstraße ließ er sich nieder und schrieb nach allen Seiten. Er schrieb an Barral, an die anderen, an Weiber und Wirte. Er flehte und drohte, ihm zu helfen, daß er in die Stadt zurückkehre. Dann wartete er.

Aber als Antwort kamen nur zwei Dirnen, die er geliebt hatte. Barral sei entsprungen, die anderen säßen. Er zitterte vor Zorn und schlug sie.