„Was soll ich dort?“ sagte er ruhig. „Lassen Sie mich hier, wie es paßt für mich, niedrig und in elender Zufriedenheit!“
Sie warf den Arm mit einer Gerte in einer ungestümen Bewegung nach aufwärts, folgte der Kurve mit einem großen Blick und ritt grußlos.
Nach einer Woche ließ sie ihn bitten, unter ein Bild ihr zwei Verse zu setzen. Er widerstand nicht. Aber es schmerzte ihn, daß es ihn hochzog. Doch da der Zug übermächtig war, folgte er.
Sein Anzug vollendete sich wieder höfisch. Seine Bewegung entschälte sich dem Schweifenden und erhielt Maß. Sein Mund bequemte sich dem runden Fall schöner Vokale. Aus den Fenstern des Schlosses sah er das Meer als dünnen blauen Rauch.
„Ich liebe das Tier nicht,“ sagte Loba und deutete auf Joi-Novel. Dies bedeutete des Hundes Verstoßung. Als die Sehnsucht ihn zurücktrieb, seinen Tod. Villon tötete ihn eifrig und unter Tränen.
Lobas Gatte kam einige Zeit erst, nachdem Villon sich seiner Gefolgschaft gereiht hatte, zurück zum Schloß. Seine breite Gestalt verteilte zufriedenes Gleichgewicht. Als er Villon sah — — und da er ihn nicht liebte und nicht haßte — — gähnte er, um seine leidenschaftslose Billigung darzutun. Auf Festen sang Villon Lobas Geist und Gestalt. In verschwiegenen Nächten hin und wieder schlich er sich zu Küchen und Dienerkammern, Würfeln und Wein und Geschwätz.
Scheu wie ein Hund wandte er den Blick weg von der vergangenen Zeit. Er zog den Hals schräg und blinzelte in die Sonne, wenn ihm der Gedanke kam. Durch den verhängten Raum seines Willens drang kein Laut in das untere Bewußtsein.
Traf er Loba morgens im Saal, kreuzten sich ihre Wege. Sie ging an ihm vorbei, ihn kaum sehend und doch mit einem Lächeln, das seine Knie erschütterte. Fernbleibend bewegte sie durch Duldung allein den Kern seines Wesens. Ihn zog es so hingerissen zu Loba, daß die Frau in der Hütte seinem Gedächtnis entschwand, daß er sich unter Loba breiten wollte, damit sie herrschend seinen Dienst nehme, in jeder Form.
Er nannte sich Wolf, damit sein Name dem ihren gleiche. Er zog ihr Wachtelgeier und Lerchenfalken. Ihre venezianischen Gläser zierte er mit gebogenen Sprüchen. Nie fehlte er, das Federkissen auf ihren Sattel zu schieben.
An einem Jagdmorgen nahm er die Haut einer Wölfin und schlang sie um sich. Aufbellend nahm die Meute seine Spur. Er lief, als gelte es sein Dasein und hörte Lobas Schnalzruf an die Hunde. Quer lief er durch den Wald. An einer Lichtung kreiste ihn die Meute ein.