Timur befahl den Zug nach Ägypten. Dem Heer voranreitend traf er auf dem Marsch nachts in Tauriz ein, das ein Sohn von ihm residierte. Sie trabten vor das Haus, das er bewohnte. Die Gärten waren erleuchtet, Gesindel und Musikanten trieben sich in den Scheinen der Laternen durch die Gebüsche.
Sie ließen die Pferde fressen im Hof und stiegen hinauf. In dem großen Saal lag er auf einem Haufen Teppiche. Die Fenster standen geöffnet gegen die hinteren Gärten, die veilchenblau in der hellen Dämmerung sich hoben.
Zerbrochen waren die Weinkrüge, der Wein ausgegossen, die Schöne in seinem Arm zerwühlt, die Halsschleife zerknüllt. Aus der Ecke tönte schwach die Halbtrommel. Aus dem Mund der Flöte einen Augenblick aufgähnend, die Haare verwirrt wie die Frauen, die das Gesicht nachts schmollend gegen die Wand kehren, sah er auf nach der Seite, ohne Timur zu sehen. Auf den Teppichen lagen Schlafende überall, auf einem Ast, sichtbar, vor dem Fenster, sang eine Nachtigall ein Gasel, trotzdem erwachten sie nicht.
Timur ließ seinem Sohn, hinaustretend, Zeit bis zur Nüchternheit. In den sternüberflogenen Garten schlug er ein Zelt. Er hatte keine Zeit zum Verweilen, am Morgen, eh er ritt, ließ er ihn vor sich kommen.
„Ich habe eine halbe Stunde für dich,“ sagte er. „Was hast du getan in der Zeit, die ich dir die Provinz gab, welche Sherife hast du geschlagen, welche Provinzen erobert? Hast du Vesten unter dich gelegt, Städte gesprengt . . . Hast du Künstler gefangen und Bauten gemacht . . . Welche Heere hast du geordnet, Aufstände gedämpft? Eile dich im Reden, meine Zeit für dich ist knapp, sie soll gerecht sein.“
Der Sohn schlug die Augen nieder.
„Nichts,“ sagte Timur. „Du hast geschwelgt, getrunken. Du bist weich gelegen. Hast keine Feldherren. Die Provinz ist nicht bewacht, keine Grenze erweitert. Du hast keine Jagden abgehalten. Kränze auf deinen Kopf gesetzt wie ein Grieche.“
Der Jüngling hob den weichen Kopf und sagte trotzig:
„Hast du nicht Feste gefeiert wie keiner der Chane? Lag die Steppe nicht tagelang voll wälzender Soldaten? Ist dein Frauenhaus nicht das größte?“
„Du wirfst mir vor. Gut. Rechnen wir ab.“ Timur trat herabgebückt vor zu dem in den Hüften Schaukelnden: „Gut. Aber . . .“ er zog den Mund zusammen, daß es eine Falte gab und durch den gedämpften Ton ein gepreßtes Keuchen aus dem Innern stieg: