„. . . ich habe sie verdient. Erworben. Glaubst du, sie haben mich nichts gekostet wie dich? Glaubst du an die Abenteuer des Geistes, Kampf der Seele? Weißt du um Prüfung? Und Überwindungen . . . Weißt du, über welche Zacken der Qual erst eine Tat entsteht? Ich kann kein Blut sehen, aber ich muß es vergießen, um daran zu steigen wie keiner.“
Erschrocken vor dieser heiseren und verächtlich geballten Stimme warf sich der Jüngling hin und flehte, aufgelöst, daß er nicht verbannt werde in die Wüste Cipribet, wo Timur die gefallenen Emire sammelte. Sein ängstliches Kinderauge lauerte.
Timur kniff die Augen zusammen und sah Augenblicke lang auf den Sohn.
Dann öffnete er das Zelttuch und sagte:
„Das wäre die Strafe, weil du unnütz lebtest. Aber weißt du, daß du nicht mehr leben darfst, nachdem du mich gereizt hast, daß ich dir dies sagte . . .“ Der Jüngling fiel bleich hinaus. Tataren brachten ihn in einen Garten mit Galbudsamurblumen, die den Wind vergifteten, der ihn mit zerpflückten Locken auf einem Rosenbeet überwand.
Die Mondköpfe Timurs grüner Paniere rollten über Flüsse und die toten Arme des Meeres. Palästina füllte sich mit Reitern, kleinnasig, mit aufgeworfenen Lippen und olivenfarbenen Wangen. Ihre spitzen Augen schoben schräg nach der Stirn. Sie ritten gegen das brandende Meer, das sich weiß vor ihnen aufsteilte. Sie konnten nicht weiter.
Sie legten die Gesichter in Fratzen, drehten scheu, bespritzt, und stoben, sich schüttelnd, zurück in die heißen wogenden Wüsten. Sie überritten die Städte der Küste, zerschlugen Jerusalem, rollten Pfeilschwärme über Damaskus. Schlugen Mameluken, hingen Männer auf an den Füßen, Weiber an den Brüsten.
Als Timur Alcair mit Katapulten in Brand schoß, betrat der ägyptische Fürst weinend den Boden der Flucht. Die Mondköpfe stürmten die Stadt. Sie glühte auf dreißig Parasangen, daß die Nacht hell wurde.
Ein dunkler Punkt in den roten Dämpfen stand gegen den Himmel der junge Fürst und schaute auf seine Stadt, bis die Türme und Kuppeln krachend zerstoben. Dann erst warf er sich von den Dämmen in den Nil.
In dieser Nacht reizte Miser Ulek einen kurdistanischen Stamm, dessen letzter Abkömmling sie war, daß er die eigene Nachhut überfiel, abfiel von Timur und, die Chinesin raubend, floh. Miser Ulek sah die Chinesin nicht an, sie saß auf einem Eildromedar in einem schilfgeflochtenen Drahtkorb, vergittert, unter dem Gepäck.