Dies geht über Deutschland auf Europa. Nach Westen gerichtet, Verehrung den großen Genien französischen Namens, gewiß, daß ebenso wie ohne Jean Paul, ohne Hölderlin, Luther und Goethe die Geschichte der Menschheit undenkbar sei ohne Voltaire, Pascal, Rabelais, Rousseau und Balzac. Nach Osten zum Licht des russischen Volkes gesprochen, Ehrfurcht Tolstoi, Gogol, Puschkin, Dostojeweski! Aus dem Norden hallend die Stimme des wilden, auch in Zerrissenheit noch an die Güte, an die Menschheit geklammerten Strindberg.

Geht solche Verpflichtung nicht weiter? Überschreitet den dünnen Bord Europas? Kommt auf die Welt? Schafft Liebe nicht grenzenlos sich zu jedem, das die Welt weiterschafft?

Ist solcher Geist, in Katastrophen erhoben, in Gewittern der Seele gesalbt von Blitzen des Grausens, aus Büchern ergreifend, auf Schaubühnen das neue Pathos erhebend, steil die Gesinnung vor sich aufgerichtet, ist solcher nicht anderer Zeit als der gegenwärtigen uns täglich mit Sinnlosigkeit, mit Drohung, mit diktatorischem Irrsinn schlagenden fast schon zugehörig?

Revolution des Geistes schafft neue Form, der Bruch mit der Vergangenheit wird radikal. Kellers große Tradition versumpfte in bourgeoiser Niederung.

Größer entfachtes Weltgefühl schafft die Kunst zur Vision. Nun diktiert der Geist, wohl eng verschmolzen der Materie, doch sie gestaltend, nicht in ihrer Abhängigkeit. Doch auch nicht in der dünnen Sphäre saftloser Geistigkeit. Die Gleichung heißt Geist und Blut. Nicht Geist und Geist. Wir wollen nicht schemenhafte Arien, die viele heut singen. Wir wollen den Naturalismus aufpeitschen zu fanatischer Vision. Das Ding vergewaltigen im Geist . . .! Prosa wird wieder Dichtung. Theater Kampfplatz größter Zusammenhänge der Seele. Sätze gestrafft mit der Biegung adliger Linie schöner Leiber. Form und Gehalt schon eins geworden, elastisch und bebend, stark die Verzückung und die Forderung zu tragen . . . ist dies nicht genug?

In einem zentaurischen Bilde liegt das Gemeinsame verschmolzen: der Träger und das Getragene . . . unbändige im Gewitter des Ethos erscheinende Dichtung, schlank im umzuckten Lauf, stark aus den Lenden emporgetaucht das männlich Getragene. In der Neuheit des Bildes aber verwirrend, doch siegreich und schön wie Kyniska, die erste Frau, die in Athen sich Pferde hielt und, selber lenkend, in den olympischen Spielen mit ihnen siegte.

Doch vielleicht erscheint es, daß Sie, wenn ich skandinavischem Publikum, dessen Dichter ich nicht nur verehre, sondern deren Atem ich liebe und deren gutem Geist ich ohne Ermüdung Verkünder bin in meiner Heimat . . . daß Sie, wenn ich schwedischem Publikum unsere Ziele dergestalt bringe, lächeln über so viel Begeisterungsfähigkeit eines Deutschen, der, seiner Nation Tugenden übertreibend, von eigenen Dingen, der von den Zielen seiner Generation allzu hingegebenen Herzens redet, fast der Kritik nicht mehr mächtig und illuminiert als ein Schwärmer.

Was tat ich?

Gab ich anderes als Glauben?

Kamen hier Feststellungen über meßbare Zeit?