Wo waren unseren Dichtern mütterliche Jahre, wo nahm empfangender, wiederschenkender Boden des Volkstums sie auf? Ausgespien wie aus dem Mund der Apokalypse, ging ihre Fahrt in den Irrsinn, die nichts hielt, nichts begriff und niemand liebte.

Eigenwille und Chaotisches ihr Merkmal. Gigantische Begabung ohne Ziel ihr Fatum.

Haben wir nicht Jahrhunderte nur nach innen gelebt und nie nach außen? Wo ist Ansatz einer Kultur, da noch der Leib des Volkstums zuckt vor eigenem nicht beendetem Gebären? War nicht lange unser Künstler ein Gelehrter, Dichter ein Sonderling, der Akademiker ziellose Hilflosigkeit im Dasein?

Wir, dieser Zeit heftiger ausgeliefert, sie darum unerbittlicher bezwingend, enger verstrickt als je Dichter einer Zeit, hingegeben in tödlichem Maße, wir sind erst langsam an dem Anfang und dem Willen, deutschen Stil zu formen.

Wir stellen die Forderungen, messen den Maßstab, heben die Fahne, ohne Rühmenswertes dabei zu finden, nur gehorchend der innersten Nötigung. Wir wollen die Tradition des von selbst sich auswirkenden tätigen Geistes.

Wollen endlich für die Deutschen Fundament.

Erstreben jene lange Kette, von Nabelschnur zu Nabelschnur geleitet, die die große bewunderte Literatur unseres romanischen Nachbarvolkes, die die Literatur Frankreichs rund macht, unübertrefflich, durchlebt zur Harmonie.

Ach, es ist kostbarste Kraft fast ohne Maß verschäumt worden, ohne sichtbares Resultat, aus der Eigenbrötlerischkeit der Deutschen, die wieder ihre liebenswerte Stärke ist.

Tausende starben, verzweifelt, Hände wund, Blut verspritzt, hoffnungslos über das Ziel . . . Tausende, deren Werk, aufgefangen, unsterbliche Leistung für sich vorwärts bewegende Menschheit wäre. Sie alle, Vereinzelte, fielen: Pioniere kommender Kultur. Losgerissene vom Mutterboden, Vagierende, Aufzuckende, Suchende nach dem großen Zentrum ihres Wesens . . . was blieb als Tod?

Opfermutige kühne Jugend gab es jede Stunde, jeden Tag. Ach, ihr Dasein, ihr Kämpfen, jene Jünglinge und Männer, titanenhaft über die Möglichkeit ihrer Zeit begehrend, die ihre Spannung nicht aufnahm, ach, das Dasein dieser Jugend ist das heroischste Thema unserer tragischen Geschichte.