»Erstens sind es nur vierzig,« stotterte Onkel John, »und zweitens haben sie noch nie in ihrem Leben auch nur ein Körnchen von deinem Getreide bekommen. Und außerdem sind nur noch sechs am Leben.«

Alle lachten. Von vierzig auf sechs war selbst für Onkel John ein kühner Sprung.

»Wißt ihr denn nichts von dem Unglück, das vergangenen Montag bei uns passierte? Nein, ihr wißt wohl noch nichts?!« rief nun der Märchenerzähler, froh wie ein Kind über den guten Einfall, der ihm gekommen, und über die versöhnliche Stimmung, die sich anzubahnen schien. »Richard, Anna, Eugen, Kinder, laßt euch erzählen, was vergangenen Montag bei uns passierte. Da fuhr mir doch ein Wagen mit durchgehenden Pferden in meine jungen Putchen hinein. Die Hälfte wurde totgefahren, die Hälfte kreuzlahm getreten. Dem Truthahn Fritz, meinem Liebling – ihr kennt ihn ja – dem armen Tier war das linke Beinchen gebrochen. Ich habe ihn dann selbst geschlachtet ...«

»Aber Onkel!« platzte Paul lachend heraus. »Den Fritz habe ich doch noch gestern nachmittag gefüttert.«

Onkel John zuckte zusammen wie jemand, den unerwartet ein Insekt gestochen. »Paul,« begann er eindringlich, die lachenden Zuhörer mit hoheitsvollen Blicken messend, »besinne dich recht, mein Junge! Du hast – gestern nachmittag – den Fritz gefüttert? War es nicht vor acht Tagen?«

»Gestern war es.«

Onkel John blickte auf Paul wie auf einen armen Schwachsinnigen, dann wandte er sich seiner Schwägerin zu. »Liebe Anna, ich habe es Ihnen – ich habe es euch allen noch immer verbergen wollen, was ich seit einem halben Jahre an Paul beobachte. Der arme Junge – aus unsrer Familie hat er das nicht – das arme Kind weiß nämlich nie, wann sich ein Ereignis zugetragen, ob es gestern, vorgestern oder sonstwann war. Er verliert das Gedächtnis. Ist euch das noch nie aufgefallen?«

»Nein, du alter Schwindler,« sagte Herr Zarnosky mit Nachdruck.

»Alter Schwindler?« sprühte der Märchenerzähler, seinen Speicher vergessend. »Statt mir zu danken, daß ich dich auf eine Krankheit deines Kindes aufmerksam mache, beleidigst du mich? Du bist mir ein netter Vater! Den einen lassen sie verlumpen, den andern verblöden!«

Herr Zarnosky ging ruhig zur Tür und öffnete sie ein zweites Mal. »Soll ich vielleicht den Faktor rufen, damit er dir den Ausgang zeigt?« fragte er grob.