Nach einer halben Stunde waren sie unten und schritten Arm in Arm bis zum Ende der Mole, wo es ganz menschenleer war, und nur die Wogen, gleich wilden Pferden, mit lautem Geschrei und hochflatternden weißen Mähnen dahergestürmt kamen. Die Mole war schmal und kroch wie eine graue Schlange am Fuß der steilen, beinahe ockerfarbenen Dünenwand entlang, von der hier und da der gelbe Sand, leise klirrend, herunterrieselte. Auf der Höhe standen große Bäume, und einer von ihnen neigte sich weit über die Düne, als müsse er herunterschauen oder als sei er im Begriff herabzustürzen. Der Himmel war afrikanisch blau über dem leuchtenden Gelb der steilen Sandwand.
John war, als fahre die Mole unter ihm davon, als sie stehen geblieben waren und auf das Wasser blickten; sich auf Johannes stützend, schloß er erschreckt die Augen. Nun fuhr er mit; die Mole und die ganze Welt schien langsam mit ihnen davonzufahren. John hielt sich an Johannes, wie der Schiffbrüchige am Mast, und auf einmal glitt er lautlos zu Boden. Ein Schwindelanfall, der nur langsam vorüberging. »Ich bin schläfrig,« sagte er schließlich auf Pfarrers angstvolles Fragen mit seiner gewöhnlichen Stimme, und er streckte sich aus und ließ die Sonne auf seinen gelben Wintermantel brennen.
Der Schwachsinnige strich ratlos seinen Christusbart, er blickte scheu auf das große Wasser, dem er nun ganz allein gegenüberstand; am liebsten wäre er nach Hause gelaufen. Nach einer Weile hockte er sich neben seinem bereits schnarchenden Freunde nieder, der See den Rücken zudrehend, und sah unentwegt auf die Reisetasche: ihr Anblick war ihm eine Oase in der Wüste. Den Handschuh hatte er längst wieder abziehen müssen. John hatte ihm vor allen Leuten mit einer Backpfeife gedroht, wenn er es nicht auf der Stelle täte. Es war ihm nichts anders übrig geblieben, als zu gehorchen.
Pfarrers Phantasie sah auf der Tasche einen Mädchenkopf mit großen, lachenden Augen. Pfarrer hatte sich wieder einmal verliebt. Das eine der beiden Mädchen, die auf der Treppe an ihm vorübergesprungen, hatte es ihm angetan. Und nun glaubte er, sie immer wieder kichern zu hören; es war aber nur der Sand, der so klirrend von der Düne rieselte.
Es rieselte ... es rieselte, und die Wogen warfen sich mit eintönigem Geschrei gegen die Mole. Pfarrer legte das Gesicht auf die Reisetasche, da, wo er sich den Mädchenkopf dachte, und brummelte sich in den Schlaf.
Die Wellenpferde kamen laut herangejagt, sprangen an der Mole hoch und brachen fauchend zusammen; neue kamen, sprangen an der Mole hoch und brachen fauchend zusammen; neue kamen ... und die Sonne sah ihnen strahlend zu und segelte majestätisch ihren Weg.
Es war gegen halb sechs, als John endlich aufwachte. »Dore! Kaffee! Kaffee!« brummte er.
»Kaffee! Kaffee!« echote der Idiot.
John sah sich betreten um. »Pfarrer,« stotterte er, sich die Augen reibend, »was ist das hier?«