John stand schwerfällig auf und nahm eins der schönsten Lampions herunter, eine feuerrote Tonne, auf der Kraniche nach dem Mond schwebten. Er versteckte es hinter einem Baum im Gras, um es später mitzunehmen, wenn es sich unbemerkt machen ließ.

Wie strahlend herrlich war der Garten! Welche Fülle von Blumen und Schmetterlingen! John sah sich seufzend um und sank dann wieder auf den Stuhl zurück, die Arme auf die Lehne drückend und den Kopf melancholisch darüberhängend. In seinen Ohren tönte der Vers aus dem Hohen Lied, den er so sehr liebte:

Ich bin hinab in den Nußgarten gegangen,
zu schauen die Sträuchlein am Bach,
zu schauen, ob der Weinstock grünete,
ob die Granatäpfel blüheten ...

Voll Neid dachte er an die, die sich am Nachmittag im Garten vergnügen würden. Das waren seine Eltern, seine Brüder, alle übrigen Verwandten und noch viele, viele Leute, – nur er nicht, nur er nicht. Sein Kopf sank noch mehr gegen den Wasserspiegel, und eine Träne rann über sein gelbes Gesicht zu den wunderlichen Fischen herab.

Herrlich würde es sein im Garten – gegen Abend, wenn der Mond erst schien und all die bunten Lampions leuchteten. Lachende Leute würden am Teich sitzen und roten und gelben Wein trinken, Leute, die weder Kummer noch Schmerzen hatten und vor sich ein schönes, langes Leben sahen. Das Mondlicht würde auf ihren fröhlichen, roten Gesichtern glänzen und auf den Weingläsern in ihren Händen. Sie würden anstoßen und scherzen und lachen und singen ...

Und er? Und er? Er lag dann im Bett und lauschte voll Grauen auf die eintönige Musik in seinen Ohren, diese Musik, die immer schauerlicher, immer todestrauriger wurde. Dann die Schmerzen – und die Träume, die schrecklichen Träume ...

Und das alles, das alles durch eigne Schuld, durch eigne Schuld; er durfte sich nicht beklagen, er durfte niemand dafür verantwortlich machen.

Onkel John war unbemerkt zurückgekommen und stand nun laut lachend da. »Was, wir blasen Trübsal? Heut', an meinem Geburtstag? Noch schöner!«

John machte seine Miene steif und seine Stimme hart. »Fällt mir nicht ein,« brummte er. »Ich seh mir bloß die Biester aus nächster Nähe an.« Und dann lehnte er sich zurück und erzählte dem Onkel, daß Frau Kalnis mitunter in seinen Nußgarten gehe, um dort heimlich junge Sträuchlein auszureißen, die sie dann verkaufe.

Ein verblüffender Junge, dachte der Onkel entzückt, den Neffen mit Hochachtung betrachtend. »Diese Person!« schmetterte er los, sich das Lachen verbeißend. »Na warte! Die kauf ich mir!«