Diese Tatsache war John nicht neu, denn die Mutter erzählte sie mit Vorliebe. Doch selbst heute versäumte er nicht zu fragen, was er danach immer fragte: »Hatte ich auch schon Haare auf dem Kopf, als ich geboren war?«
Frau Zarnosky dachte siebenundzwanzig Jahre zurück, und ein naives Lächeln trat langsam auf ihr verweintes, immer etwas ängstlich blickendes Gesicht, dessen einstige Anmut die Jahre vergewöhnlicht hatten. »Ob du Haare hattest!« sagte sie stolz. »Dein ganzes Köpfchen war mit langen schwarzen Haaren bedeckt. Und die waren wie Seide. Und sie hatten dir einen Scheitel gemacht, als sie dich zu mir brachten. Einen Scheitel ...«
John lachte unter Kopfschütteln, so wie ein Mensch lacht, wenn er etwas höchst erstaunlich findet. Und doch kannte er die Geschichte von seinem ersten Scheitel schon über zwanzig Jahre. Er wie seine Mutter hatten die glückliche Gemütsanlage, daß sie sich mit solchen und ähnlichen Nichtigkeiten über den Ernst einer Situation hinwegtäuschen konnten. Sie waren wie Kinder: die vor Dunkelm die Augen schließen und am Rande des Abgrunds ahnungslos mit Blumen spielen. Und sie waren auch so leicht wie Kinder zu trösten.
»Wie ist es, hast du Schmerzen?« fragte Frau Zarnosky, noch ganz verträumt.
»Nur selten,« log John.
»Na siehst du!« sagte die Mutter beruhigt. »Dann ist es also nicht so schlimm. – Du bist ja jung,« setzte sie hinzu. »In deinem Alter –! Herrgott, da kann sich auch noch alles bessern! Ich werde gleich morgen mit dem Doktor reden, was er dazu meint.«
»Und wenn er sagt, ich soll nicht?« fragte John mit nervösem Lachen.
Frau Zarnosky fuhr sich erschreckt über ihr dünnes, glatt gescheiteltes Haar. »Dann wird er etwas andres wissen,« beruhigte sie sich und ihn.
Johns Miene wurde heller und heller. »Hast du nicht ein bißchen Kaviar?« fragte er verschämt.
»Wenn du nur noch immer Appetit hast,« sagte die Mutter und lächelte, »dann ist noch alles nicht so schlimm.«